Gijón kippt den e-scooter: spaniens städte räumen das zentrum

Gijón zieht den Stecker. Ab 1. Juni darf im Herzen der asturischen Hafenstadt kein einziger E-Scooter mehr rollen – und das Veto trifft nicht nur Fußgängerzonen, sondern knallhart auch die Hauptverkehrsadern wie die Calle Uría oder die Plaza del Carmen. Die Botschaft ist laut: Das urbane Chaos hat ein Ende.

Ein roter fleck auf der stadtplan-karte

Der neue Sperrbereich spannt sich vom Viertel Capuchinos bis Munuza und markiert die bisher größte Zonenhöllung in Spanien. Wer trotzdem über die frisch aufgemalten roten Linien fährt, riskiert nicht nur ein Bußgeld – er stößt auch auf eine Wand aus Schildern mit dem dicken X über dem Scooter-Symbol. Die Stadtverwaltung setzt damit ein Signal, das längst über Asturien hinaus wirkt.

Dahinter stecken Monate voller Knöllchen, Schlägereien vor Tapas-Bars und Notarzteinsätzen mit Schädelprellungen. Die Rettungsleitstelle von Gijón registrierte 2023 allein 312 Scooter-Verletzte, Tendenz steil. Jeder dritte Unfall passierte auf engen Altstadtgassen, wo sich Pedestrian und E-Roller um denselben Quadratmeter Asphalt rangeln.

Barcelona, madrid, valencia – der dominoeffekt rollt

Barcelona, madrid, valencia – der dominoeffekt rollt

Während Gijón heute den Hammer schwingt, haben andere Metropolen den Weg schon geebnet. Barcelona verbannte die Roller 2022 aus dem Gotischen Viertel und schraubte die Bußgelder auf bis zu 1.000 Euro. Madrid entzog mehreren Sharing-Anbietern die Lizenz und schickte ganze Flotten ins Depot. Valencia zog den Sicherheits-Joker: Wer in städtischen Gebäuden laden will, muss den Akku draußen lassen – Reaktion auf drei Kellerbrände durch Billig-Batterien.

Die DGT, Spaniens Verkehrsbehörde, schließt den Kreis. Seit 2024 dürfen nur noch zertifizierte Modelle verkauft werden, 2027 sind alle alten Geräte automatisch stillgelegt. Tempolimit 25 km/h, Helmpflicht für Jugendliche, Fahrverbot auf Gehwegen – die Wildwest-Ära ist vorbei.

Zwischen klima-ikone und fußgänger-feind

Zwischen klima-ikone und fußgänger-feind

Für viele Bewohner war der Roller einst die Rettung vor Staus und Smog. Jetzt steht er im Ruf, Bürgersteige zu blockieren und Touristenraserei zu fördern. Die Verkehrsverbände pochen auf Zahlen: 17 Prozent weniger Autofahrten in den Innenstädten dank E-Scootern, lautete der Slogan. Doch die Gegenseite kontert mit Horror-Videos aus TikTok: Jugendliche rasen mit 40 Sachen durch Menschentrauben, Rettungsgassen bleiben zugeparkt.

Gewinner des neuen Kurses sind die klassischen Radler. In Gijón steigt die Nachfrage nach Leihfahrrädern um fast 30 Prozent, seit die Scooter-Flotte aus dem Zentrum verbannt wurde. Verlierer sind die Sharing-Firmen: Dott, Lime und Tier mussten bereits Stellen streichen, nachdem ihnen die lukrativen Hotspots entrissen wurden.

Fazit: Der E-Scooter verliert seine Unschuld. Was vor fünf Jahren als grünes Freiheitsversprechen durch die Gassen flitzte, wird heute wie ein Auto behandelt – mit Zulassung, Parkverboten und drakonischen Strafen. Die Städte haben das Ruder zurückgeholt, und für viele Nutzer ist das urbane Abenteuer endgültig vorbei.