Cerúndolo jagt den nächsten favoriten – paris kocht in der dritten runde
Es ist Samstag 09:30 Uhr, Court 7 brodelt schon – und noch hat kein Ball die Luft berührt. Juan Manuel Cerúndolo tritt an gegen Martin Landaluce, nur 48 Stunden nachdem er Jannik Sinner mit einem letzten Sprungaufshlag die Seele aus dem Leib gekocht hat. Fünf Sätze, 3:40 Stunden, 35 Grad im Schatten. Der Argentinier schien schon fünf Meter unter der Roten Tonoberfläche, als Sinner plötzlich die Beine nicht mehr mitkam. Jetzt soll der 22-Jährige wieder ran.
Der plan: früh drücken, spät feiern
Cerúndolo hat die Nacht kaum geschlafen. Er lag im Team-Hotel in Boulogne-Billancourt, schaute sich Clips von Landaluce an, der erst 19 ist und einen Vorteil hat: Er spielt die Qualies nicht in der Mittagshölle, sondern früh. „Ich muss wieder diesen Tempowechsel finden, der Sinner umgehauen hat“, sagte er gestern Abend noch zu seinem Fitnesstrainer. Die Hitze bleibt, aber diesmal startet er selbstbewusst.
Die Organisatoren setzen das Match bewusst als zweites auf Court 7 – damit die Sonne schon hochsteht und der Sand kocht. Für Eurosport ein Garant für Quoten, für die Spieler ein Test der Blutzirkulation. Wer um 11:00 Uhr noch sprinten kann, hat eine Chance auf die Runde der letzten 32.

Bruderduell und politisches feuer
Eine Bahn weiter trifft Francisco Cerúndolo, der ältere Bruder, auf Zachary Svajda. Zwei Argentinier im gleichen Turnierabschnitt – das gab es zuletzt 2005 mit den Nalbandian-Brüdern. Während Juan Manuel noch von der Sinner-Sensation schwärmt, hat Francisco den Kopf frei: „Ich will nicht im Schatten meines Bruders stehen“, sagt er knapp.
Bei den Damen wirft Oleksandra Oliynykova noch mehr Öl ins Feuer. Die Ukrainerin trifft auf Diana Shnaider, eine Russin. Vor dem Turnier hatte Oliynykova den Vergleich mit „Nazi-Methoden“ verwendet – die ITF ermittelt, die Stimmung ist gespannt. Roland-Garros versieht das Match mit zusätzlicher Sicherheit. Ein Statement des Verbandes folgt vor Ort.

Sabalenka zieht ihre eigenen kreise
Aryna Sabalenka spielt gegen Daria Kasatkina – und ignoriert jede Frage danach, ob sie das politische Beißen spürt. Die Weltranglistenerste hat nur eine Antwort: „Ich bin hier, um zu gewinnen.“ Kasatkina, selbst oft in Schlagzeilen wegen ihrer russischen Herkunft, nickt nur. Beide wissen: Der Court spricht lauter als Twitter.
Um 15:00 Uhr rollt der Ball wieder. Eurosport überträgt live, Joyn ohne Zusatzkosten. Wer nicht vor dem Fernseher hockt, kann über die App den Court-Sound mitlaufen lassen – das Knirschen des Sandes, das Keuchen der Spieler, das Echo eines verpassten Vorhands. Sport pur, ohne Kommentar, nur Paris.
Die dritte Runde ist die Engstelle. Wer hier durchkommt, träumt laut. Wer scheitert, packt am Sonntag die Koffer. Für Cerúndolo steht nicht nur ein Match an – es ist die Frage, ob er die Sensation wiederholen kann oder ob Landaluce der neue Held wird. Die Hitze wartet, der Sand brennt. Roland-Garros zeigt wieder, warum man dieses Turnier liebt: Weil jeder Tag Geschichte schreibt, bevor das Mittagessen kalt wird.
