Gidsel staunt: neue dänen-boys spielen so schnell, dass selbst altstars blass werden

Mathias Gidsel, Weltmeister und Torschreck, hat in der dänischen Nationalmannschaft selten den Mund offen gestanden. Jetzt schlug er ihn auf. Fünf Jungspunde, noch ohne Länderspielminute, lassen den 27-Jährigen in der Golden-League-Woche vor Staunen die Kinnlade sinken.

Im Training sprinten Victor Norlyk, Nicolaj Jørgensen und Mads Svane so temporeich durch den Rückraum, dass Gidsel und Magnus Saugstrup sich nur ansahen und dachten: „Die spielen verdammt noch mal schnell.“ Das sagt Gidsel nicht irgendwo, sondern im Interview mit TV 2 Sport – und er sagt es mit diesem leichten Grinsen, das bei ihm immer bedeutet: Hier passiert etwas, das selbst mich aus der Fassung bringt.

Jacobsens mini-umbruch trifft den nerv der zeit

Nikolaj Jacobsen nominierte für die Partien gegen Norwegen, die USA und die Niederlande fünf Debütanten. Christoffer Bonde im Tor, Steven Plucnar im Kreis, Frederik Bjerre links außen und eben jene drei Rückraum-Raketen. Der EM-Triumph vor drei Wochen war erst der Auftakt; jetzt beginnt der nächste Zyklus, und er beginnt mit Tempo.

Dass ausgerechnet Gidsel, selbst noch kein alter Mann, von „frischem Wind“ spricht, ist kein Satz, den man nebenbei wegwischt. Er formuliert, was viele in Skandinavien denken: Der Talentpool quillt über. Klubs wie Aalborg, GOG und Kopenhagen schicken ganze Jahrgänge von 19- bis 22-Jährigen ins internationale Rennen, die schon in der Club- Champions-League Erfahrung sammeln, bevor sie sich die Nationalmannschaftskappe holen.

Hans lindberg war gestern – simon pytlick fällt aus

Hans lindberg war gestern – simon pytlick fällt aus

Parallel dazu endet eine Ära. Hans Lindberg, 308 Länderspiele, 800 Tore, Legende, beendete seine Laufbahn. Die Zahl, die bleibt: 44 Jahre. Sein letztes Tor schoss er im EM-Viertelfinale gegen Frankreich, sein letzter Sprint war ein Sieg gegen die Zeit.

Simon Pytlick hingegen muss zuschauen. Eine Rippenzerrung, die er sich während der EM zuzog, wirft ihn zurück. Fehlen wird auch er nicht lange, denn die Pipeline ist voll. Jacobsen kann aus dem Vollen schöpfen, und Gidsel kann mitten im Spiel mal durchatmen, weil ihm einer der Jungen die Bälle abnimmt, die er früher selbst tragen musste.

Heute Abend um 20.15 Uhr geht’s gegen Norwegen. Die Skandinavier-Rivalen wissen, was sie erwartet: nicht nur die bekannte dänische Maschine, sondern ein Turbo-Update. Wer genau hinsieht, entdeckt in der Halle ein paar Gesichter, die noch keine Pressekonferenz gegeben haben – aber schon die erste Standing Ovations-Welle auslösen, wenn sie aufspringen und den Ball aus zehn Metern versenken. Gidsel wird dann wieder dieses Grinsen aufsetzen. Und die Gegner werden wieder denken: Mist, die werden noch schneller.