Pogacars fluch von sanremo: merckx gibt k.o.-taktik, van der poel lacht
Der Mythos lebt – und er trägt orangefarbene Sonnenbrille. Tadej Pogacar hat schon vier Touren gewonnen, aber die 296 km zwischen Mailand und der Via Roma nageln ihn seit Jahren ans Asphalt-Altar. Eddy Merckx liefert jetzt das Manual für die Entscheidung: spätestens auf dem Poggio angreifen, sonst wird’s eng. Samstag, 8:10 Uhr Start, 300 Millionen Zuschauer weltweit, ein einzelner Sekundenbruchteil kann die Karriere-Tafel umritzeln.
Warum pogacar diesmal bereit ist, vier tour-siege zu versenken
„Vier bis fünf? Das ist ein Komma. Null bis eins ist ein Roman“, sagte er nach dem Strade-Bianche-Triumph, und man glaubt ihm jedes Wort. Die Cipressa hat er in 8:51 min hochgebissen – sechs Sekunden schneller als im Rennen 2024. Die Daten stehen auf seinem Garmin wie eine Drohung. Paris–Roubaix fehlt ebenfalls, doch Sanremo brennt mehr, weil er dort schon Dritter, Vierter, Fünfter war – immer mit dem Gespür, dass das Rad noch eine halbe Umdrehung weiter drehen muss.
Mathieu van der Poel hat die Antwort parat: zwei Siege, ein Philipsen-Coaching, einmal Selbstlob. Nach der Cross-WM ließ er sein Canyon in die Ecke fallen, flog nach Tirreno, schraubte zwei Etappen ab. „Er wird irgendwann gewinnen, klar. Aber nicht, wenn ich noch frisches Bein habe“, sagt er mit diesem leicht grinsenden Ton, der selbst Sprintern die Zähne auseinanderdrückt.

Isaac del toro wird zum edelhelfer statt zum thronfolger
Tim Wellens‘ Schlüsselbein zwingt UAE zur Notlösung: der 22-jährige Mexikaner, Giro-Zweiter, soll 50 km vor Ziel das Ventil öffnen. „Ich fahre Sanremo nur für Tadej“, sagt del Toro, der selbst ein Kapitän werden will, aber gerade noch die Kurbelschrauben seines Chefs festzieht. Teamchef Mauro Gianetti schwärmt: „Er ist stärker als 2020, als er Rom und die Tour demoliert hat.“ Die Frage ist nicht, ob er kann, sondern ob die Strecke ihm die Sekunden schenkt, die sie van der Poel entreißt.
Merckx sieht das Rennen aus seinem Wohnzimmer in Brüssel. „Wenn du zu früh gehst, frisst der Wind dich. Wenn du zu spät gehst, frisst van der Poel dich.“ Die Cipressa ist 5,6 km lang, der Poggio 3,7 km, die Abfahrt 2,1 km, dann noch 2,3 km flach. Wer dort zögert, wird zur Statue auf dem Kreisverkehr der Geschichte. Pogacar kennt jede Schlagloch-Koordinate, aber Kenntnis allein siegt nicht – sondern der Moment, in dem er die Kette aufs größte Blatt wirft und das Radio im Ohr verstummt.
Am Samstag werden 300 000 Zuschauer an der Küste stehen, eine Welle aus Lärm und Espresso-Dampf. Wenn die Sonne über Sanremo versinkt, könnte endlich das orangefarbene Trikot die Via Roma entlang sprinten – oder van der Poel schickt erneut den Beweis, dass Monumente keine Vorschriften kennen, sondern nur Namen. Pogacars Fluch hat ein Datum. Die Uhr tickt. Die Kurbel wartet.
