Gerard martín schreibt märchen: barças linksverteidiger wird zur festung
Ein Jahr nach dem Debüt in der Champions-League-Krise ist Gerard Martín nicht mehr wegzudenken. Der 22-Jährige hat Hansi Flick umdefiniert – und sich selbst. Aus dem Ersatzmann für Alejandro Balde wurde die linke Wand im Zentrum. Seit Wochen trägt er die Kapitänsbinde-Ästhetik eines Abwehrchefs, auch wenn sie unsichtbar bleibt.
Die zahl, die alles erklärt
2.372 Minuten in 41 Pflichtspielen. Das ist keine Statistik, das ist ein Kraftakt. Vergangene Saison: 1.795 Minuten in 42 Einsätzen. Der Unterschied heißt Vertrauen. Flick stellte ihn nach Iñigo Martínez' Ausflug zum FC Athletic zunächst neben Pau Cubarsí als Test auf. Der Test wurde Dauerlösung. 22 Mal stand Martín bereits als Links-Innenverteidiger auf dem Platz, nur 19 Mal als klassischer Außenbahn-Läufer. Die These vom Tempo-Reservisten ist damit Makulatur.
Die Chemie mit Cubarsí funktioniert per Funkspruch. Gemeinsam gewannen beide 17 der 18 Partien, in denen sie die Abwehrreihe bildeten. Das einzige Remis: 1:1 in Newcastle, Hinspiel der Champions-League-Achtelfinals. Kein Gegentor in den vergangenen fünf Liga-Duellen mit dieser Doppel-Sechs. Ein Detail verrät mehr als alle Torschussstatistiken: In 86 % der Balleroberungen springt sofort Martíns Arm hoch, um Cubarsí die erste Anspielstation zu signalisieren. Das ist kein Automatismus, das ist Abstimmung auf Sekundenpuls.

Warum ihn keiner mehr hergeben will
Barças Co-Sportdirektor Deco hatte Mitte Januar ein halbes Dutzend Anfragen auf dem Schreibtisch – darunter zwei mit Kaufoption. Keine wurde beantwortet. Der Klub löste stattdessen die Klausel, die Martíns Gehalt bei 25 Liga-Einsätzen automatisch anhebt. Ein Akt der Wertschätzung, aber auch der Selbstschutz. Das Camp Nou hatte zuletzt vergessen, wie wichtig eine linke Fuß-Festung ist. Jetzt erinnert es sich – mit jedem Kopfball von Martín, der eine Albacete-Offensive im letzten Cup-Viertelfinale zerstörte.
Die Fans rufen nicht mehr nach einem Neuzugang im Zentrum. Sie rufen nach Martín. Sein Marktwert stieg laut Transfermarkt.de seit Oktober um 18 Millionen Euro. Ein Preisschild, das ihn kalt lässt. „Ich bin hier aufgewachsen, ich will hier Meister werden“, sagte er nach dem 4:0 gegen Athletic. Kein Statement, sondern eine Ansage.
Die Saison hat zwei Monate vor dem Finale schon jetzt einen Gewinner: Gerard Martín. Und weil der FC Barcelona seit seinem Durchbruch nur noch zwei Gegentore kassierte, hat auch der Klub gewonnen. Die Märchenstunde ist offiziell beendet – die Meisterstunde beginnt.
