Gc-debakel: messners premiere endet mit historischer blamage

0:5. Die Zahl brennt sich in die Geschichte des Grasshopper Club Zürich ein. Gernot Messners erster Arbeitstag als Retter endet als Albtraum, Servette lacht sich ins Fäustchen – und die Fans rotten sich schon gegen die eigene Mannschaft zusammen.

Die ersten zehn minuten täuschten

Messner stand nach dem Schlusspfiff vor der Kamera, seine Stimme rau wie nach einer durchzechten Nacht. „Wir haben die ersten zehn Minuten ganz gut ins Spiel gefunden“, sagte er und klang dabei, als würde er einem Sterbenden die letzte Zigarette anbieten. Dann kam die Wende, das 0:1, das 0:2, das 0:3 – alles innert 20 Minuten. Die Letzigrund wurde zur Schulexerzitien-Arena, in der jeder Fehler sofort bestraft wurde. „Zu einfache Tore“, brummelte Messner. „Viel zu einfach.“

Amir Abrashi, sonst ein Mittelstürmer in der Sechser-Rolle, wirkte wie nach einem Schlaganfall. „Ich bin sprachlos“, stammelte der Kapitän. „Es ist brutal.“ Was genso brutal war? Die Tatsache, dass GC nach 30 Minuten schon 0:4 hinten lag. Oder dass Servette jeden zweiten Pass in den Lauf eines Stürmers spielte, als wäre die GC-Defensive ein Schweizer Käse – mit Löchern, die größer werden, je länger man hinschaut.

Die selbstgefälligkeit war der erste torschütze

Die selbstgefälligkeit war der erste torschütze

„Wir haben uns zu sicher gefühlt“, diagnostizierte Messner. „Verteidigt haben wir in Wahrheit gar nicht.“ Das ist keine Taktikfrage, sondern eine Charakterfrage. Wer sich in der Super League für fünf Minuten ausruht, wird bestraft. Wer 90 Minuten lang schläft, wird vernichtet. Die GC-Spieler wirkten wie eine Mannschaft, die vergessen hat, dass der Ball auch in die eigene Richtung rollen kann.

Die Statistik lügt nie: Servette schoss 18 Mal aufs Tor, GC erst in der 78. Minute zum ersten Mal aufs Gehäuse. Das ist keine Phase, das ist ein Kollaps. Und der hat ein Datum: Messners Debüt.

Die länderspielpause wird zur woche der wahrheit

Die länderspielpause wird zur woche der wahrheit

Nun droht der Abstiegszone. GC liegt nur zwei Punkte über dem Strich, die nächsten Gegner heißen St. Gallen und YB. Messner will „erstmal eine Nacht darüber schlafen“, aber er wird keine ruhige bekommen. Die Fans skandieren schon „Wir wollen kämpfen“, was im Fussball das Schlimmste ist, was man hören kann – es bedeutet: Das, was wir sahen, war kein Kampf.

Amir Abrashi biss sich auf die Lippe. „Darf nicht passieren“, sagte er dreimal hintereinander, als könnte er das Spiel so zurückspulen. Aber die Zeitmaschine bleibt im Museum. GC muss jetzt nicht nur trainieren, sondern sich selbst wiederfinden. Die Saison ist noch lang, aber die Geduld ist kurz. Und die nächste Blamage wartet schon.