Deutsche biathleten vor historischer pleite: oslo ist letzte chance

Ein Sieg fehlt, zwei Rennen bleiben. Damit nicht am Sonntagabend die peinliche Null steht, muss im Oslo-Holmenkollen entweder Franziska Preuß oder Philipp Nawrath als Erster durch Ziel gehen – sonst schreibt das deutsche Biathlon-Team erstmals seit 1978 eine komplette Weltcup-Saison ohne Weltcupsieg ab.

Die tabelle lügt nicht

15. und 18. Platz lauten die Bestmarken der deutschen Gesamtweltcup-Wertung. Dahinter folgt nichts als Luft. Drei Podestplätze in Einzelrennen, eine Staffel-Bronze, ein entwerteter Mixed-Sieg – das ist die magere Bilanz eines Verbandes, der sich bislang mit „Skandinavien plus Franzosen“ die Podeste teilte.

Die Ursäuche: zu langsame Schießzeiten, zu viele Nachlader, zu selten die Nerven, wenn die letzte Scheibe fällt. Norwegens Bö-Speed, Frankreichs Fillon-Maillet-Präzision und Schwedens schwedische Coolness haben die DSV-Equipe regelrecht überrollt. Wer in dieser Saison zehn Sekunden Rückstand in die Schießbahn fuhr, konnte sie nicht mehr aufholen – weil die Scheiben nicht lachten.

Vom pech und der eigenen schwäche

Vom pech und der eigenen schwäche

Ein Hauch von Drama gab es in Nove Mesto: Marlene Fichtner und Leonhard Pfund jubelten 30 Sekunden über Platz eins, bis der Jury-Computer sie wegen einer zu engen Wechselzone zurückstufen ließ. Ein kurzer Traum, der die bittere Realität nur noch schärfer zeichnete.

Und Olympia? Ein einziger Podestplatz – Bronze in der Mixed-Staffel –, während Norwegen vier Mal Gold holte. Das war nicht nur ein Bad im kalten Peking-Wind, das war ein Symbolsturm.

Die letzten kugeln im fass

Die letzten kugeln im fass

Heute um 13:45 Uhr startet das Damen-Massenrennen, 16:30 Uhr folgen die Männer. Für Preuß ist es die letzte Chance, ihre verletzungsgeplagte Saison noch mit einem Hauch von Ruhm zu versehen. Für Nawrath geht es um Rang zehn – und darum, nicht als erster deutscher Skijäger seit 46 Jahren außerhalb der Top-10 der Jahreswertung zu landen.

Der Holmenkollen ist kein Wunderberg, sondern eine 2,5 km lange Schleife, die die Wahrheit schreibt. Wer dort nicht trifft, fliegt raus. Wer trifft, darf jubeln. Die deutsche Mannschaft braucht heute beides: einen perfekten Tag und eine Schießanlage, die endlich nach deutschem Recht funktioniert.

Keine Statistik wird sich mehr biegen lassen. Entweder es klappt – oder Deutschlands Biathleten reisen als erste Mannschaft ohne Sieg seit der Einführung des Weltcups 1978 heim. Dann bleibt nur die Erkenntnis: Ohne Kugel geht keine Revolution.