Gaugisch zündet den turbo: fünf junioren-weltmeisterinnen rücken in den em-quali-kader
Markus Gaugisch spielt mit offenen Karten. Weil die EM bereits gebucht ist, schickt der Bundestrainer Deutschlands Handballerinnen mit einem halben Neuanfang in die letzten Quali-Spiele – und verzichtet dabei bewusst auf die etablierten Leistungsträgerinnen.
Die Rechnung ist simpel: Chiara Rohr, Jana Walther, Aylin Bornhardt, Marlene Tucholke und Lara Däuble sind 19 oder jünger, holten im Sommer Gold bei der U19-EM und sollen jetzt gegen Nordmazedonien (8. April) sowie Belgien (12. April) direkt Dampf im Seniorenbetrieb machen. „Wir wollen wissen, wie nah sie dran sind“, sagt Gaugisch – und meint damit nicht nur die Erfahrung, sondern den Sprung auf das Tempo, das internationale Spitzenmannschaften vorgeben.
Filter, vogel, hauf: drei gestandene kräfte bleiben zu hause
Die Gegenrichtung markieren Katharina Filter, Emily Vogel und Alexia Hauf. Die komplette Lehrgangswoche absolvieren sie nicht – Abschalten statt Abwinken. Die Botschaft: Belastungssteuerung hat Priorität, Monate vor der Endrunde vom 3. bis 20. Dezember in Polen, Tschechien, Slowakei, Türkei und Ungarn.
Ebenfalls reduziert eingesetzt werden Sarah Wachter, Alina Grijseels, Viola Leuchter und Annika Lott. Das Quartett bekommt jeweils nur ein Spiel, um nach langen Club-Saisons nicht noch mehr Kilometer auf dem Zähler zu sammeln. Die Konsequenz: Der Kader rotiert stärker als je zuvor in dieser Qualifikation.

Skopje und hamm werden zum prüfstein für die neue garde
Die Aufstellung liest sich wie ein Mischmasch aus Routine und Jugend. Mit Marie Weiss, Laura Kuske und Sarah Wachter im Tor sowie Feldspielerinnen wie Jenny Behrend, Nina Engel oder Antje Döll bleibt genug Erfahrung vorhanden, um die jungen Wilden nicht ins kalte Wasser zu schubsen. Gaugisch’ klare Vorgabe: „Zwei Siege – alles andere wäre verschenkt.“
Dabei dürfte vor allem das Spiel in Skopje brisant werden. Nordmazedonien spielt vor heimischer Kulisse, die Fans sind laut, die Halle eng. Ein echtes Lehrstück für Rohr und Co., die dort erstmals erleben, wie schnell sich eine Partie kippen kann, wenn der Gegner mit Rückenwind aufläuft.
Die zweite Baustelle ist der Kreis. Mit Aylin Bornhardt und Ida Petzold arbeitet Gaugisch gleich zwei neue Profilösungen. Bornhardt absolviert lediglich die Trainingstage in Großwallstadt, Petzold steigt nach dem TuS-Metzingen-Pflichtprogramm aus – beide sollen das taktische Konzept testen, ohne gleich Spieldruck zu spüren.
Für die etablierten Spielerinnen bedeutet der Lehrgang vor allem eins: Luft holen. Die Saison dauert noch bis Mai, die Endrunde rückt näher. Wer jetzt Pausen bekommt, spart Energie für den Endspurt. Gaugisch nutzt den Luxus der bereits gesicherten Qualifikation – und schickt ein Signal an den kompletten deutschen Nachwuchs: Die Tür nach oben steht offen, man muss nur klingeln.
Am Ende zählen zwei Siege, aber der Blick richtet sich bereits auf Dezember. Dann will niemand mehr von Rotation sprechen, sondern von Medaillen. Die Vorbereitung beginnt in Skopje – mit einem Kader, der mehr Fragezeichen als Gewissheiten birgt. Genau das ist Gaugisch’ Plan.
