Gaudino schubst schiri, bleibt trotzdem auf dem platz – dfb prüft

77. Minute, Hitze im Carl-Benz-Stadion, Aachen jagt den Ausgleich. Da blockt Schiedsrichter Marc Philipp Eckermann aus Versehen Gianluca Gaudinos Pass, Waldhof kontert – und der Alemannia-Spieler spießt den Unparteiischen mit beiden Händen an. Keine Karte. Kein VAR-Eingriff. Nur ein irritierter Blick, dann weiterspielen.

Die Szene ist in Sekundenbruchteilen vorbei, ihre Nachwirkungen kölern noch Tage später. Denn eigentlich ist ein klarer Angriff auf den Schiri Regelwerk-Standard-Rot. Doch Eckermann ahndete nicht. Er sprintete einfach davon, als wäre nichts gewesen. Warum?

„Impuls gespürt, aber nicht zugeordnet“

DFB-Schiri-Chef Alex Feuerherdt liefert die Erklärung, die selten offen ausgesprochen wird: Eckermanns Blick war aufs Spiel, nicht auf Gaudino. Der Schubser passierte außerhalb seines Sichtfelds. „Er hat den Impuls gespürt, konnte ihn aber nicht klar identifizieren“, sagt Feuerherdt. Kurz: Der Referee wusste nicht, wer ihn traf – und ließ daher die Karte stecken.

Für Gaudino ein Glücksfall, denn er stand bereits nach der Pause mit Gelb in der Schiedsrichter-Kartei. Der Stoß gegen Waldhofs Djayson Mendes war sein fünftes Gelb der Saison. Die Folge: Sperre gegen Schweinfurt. Die Rote-Karte-Auszeit droht nun trotzdem, wenn der DFB-Kontrollausschuss nachträglich handelt.

Strafe rückwirkend möglich – präzedenz schon da

Strafe rückwirkend möglich – präzedenz schon da

2021 sperrte der Verband Union Berlins Cedric Teuchert nachträglich, nachdem der Stürmer einen Schiri weggestoßen hatte. Die Bandeaufnahme war eindeutig, das Rot nachträglich. In Aachen fehlten Kameras in der Nahzone – doch die TV-Bilder reichen. Ein Ermittlungsverfahren läuft bereits, bestätigt der DFB am Montagvormittag.

Trainer Mersad Selimbegovic und Sport-Geschäftsführer Gerhard Zuber dürften indes mit Innenraum-Sperren rechnen. Nach dem Pausenpfiff eskalierte die Lage in den Katakomben, beide Seiten reden von „massiver Provokation“. Die Szenen wirken wie ein Spiegelbild des Spiels: hart, leidenschaftlich, bis an die Grenze des Erlaubten.

Waldhof profitierte am Ende vom Doppelpack von Terrence Boyd, Aachen vom Glück, dass Eckermann nichts gesehen hat. Die Moral der Geschichte: Fußball ist nicht immer fair – manchmal ist er einfach nur durchgeknallt.