Fumagalli stoppt das spiel – statt ins leere tor zu schießen

Tommaso Fumagalli hatte die Kugel am Fuß, Torwart Alessio Cragno lag verletzt am Boden. Ein Schuss wäre das 1:1 gewesen – stattdessen schlenzte der Angreifer der Reggiana die Kugel ins Seitenaus. Serie B erlebte einen Moment, der selbst die Gegner applaudieren ließ.

Der vorfall nach 65 minuten im mapei stadium

Der vorfall nach 65 minuten im mapei stadium

Reggiana-Südtirol stand 0:1, als Cragno außerhalb des Strafraums gegen Raphael Kofler klären wollte. Die Berührung an der rechten Oberschenkel, ein missglückter Rückpass – und plötzlich hielt sich der italienische Nationalkeeper die linke Knöchel. Fumagalli sprinte an, sah die Szene, traf seine Entscheidung. Sekunden später war das Spiel unterbrochen, Cragno musste ausgewechselt werden, die Südtiroler Bank erhob sich und klatschte dem 26-Jährigen ab.

Die Partie ging mit 0:4 aus Sicht der Reggiana verloren, doch das Ergebnis rückte in den Hintergrund. Im Netz kursierten sofort Vergleiche mit Paolo Di Canio, der am 16. Dezember 2000 in der Premier League für West Ham beim Stand von 1:1 gegen Everton ebenfalls die Kugel statt ins Tor mit den Händen fing, um den verletzten Paul Gerrard zu helfen. Fairplay pur – und ein Echo, das 24 Jahre später in Reggio Emilia wiederhallte.

Für Reggiana war das Spiel ein weiterer Schritt im Abstiegskampf, acht Punkte aus den letzten vier Partien hatten die Lage etwas entschärft. Südtirol hingegen blickte nach oben, auch wenn nur ein Punkt aus den vorangegangenen zwei Spielen gegen Palermo und Spitzenreiter Venezia heraussprang. Doch an diesem Tag zählte nicht die Tabelle, sondern eine Geste, die beweist: Mancher Sieg steht nicht in der Spalte „Tore“, sondern in der Spalte „Anstand“. Fumagalli hat sie sich redlich verdient.