Irans frauen spielen für ein land, das sie nicht mehr erreichen
Sie stehen auf dem Rasen von Perth, aber ihre Gedanken sind in Teheran, in Isfahan, in den Wohnzimmern ihrer Mütter. Seit drei Tagen haben Irans Fußballerinnen kein Lebenszeichen mehr aus der Heimat erhalten – weil die Regierung das Internet abgeschaltet hat.
Trainerin Marziyeh Jafari sitzt in der Pressekonferenz, die Hände verschränkt, als wollte sie sich selbst festhalten. „Wir sind hier, um Fußball zu spielen“, sagt sie. Ihre Stimme bricht nicht. Aber ihre Augen flackern jedes Mal, wenn ein Handy vibriert – aus Reflex schaut sie hin, ob vielleicht doch eine Nachricht durchkam.

Die stürmerin weint, als sie vom krieg spricht
Sara Didar, 21, Torschützin beim SC Sepahan, presst die Fingernägel in die Unterarme. „Unsere Familien sind dort“, sagt sie. „Wir wissen nicht, ob sie noch leben.“ Dann dreht sie den Kopf weg, weil die Tränen kommen. Die Iranerinnen hatten sich auf den Flug nach Australien gefreut – ihre zweite Asienmeisterschaft, endlich wieder oben mitspielen. Stattdessen landeten sie im Ausnahmezustand.
Die Mannschaft reiste ab, als die ersten Raketen starteten. Seitdem haben sie nur noch Satellentelefone der australischen Veranstalter. Die funktionieren – aber die Anrufe ins Iranische Festnetz gehen ins Leere. Die Spielerinnen versuchen es trotzdem, jede Nacht um 3 Uhr Ortszeit, wenn in Teheran der Morgen graut. Es klingelt. Es hebt niemand ab.
Gegen Südkorea verloren sie 0:3. Kein Wunder. Wer kann schon dribbeln, wenn man gleichzeitig die Bombe im Kopf sieht? Jetzt warten die australischen Gastgeber, die mit 11.000 Zuschauern im Perth Rectangular Stadium rechnen. Die Iranerinnen werden wieder laufen, sprinten, fallen. Aber sie spielen nicht nur für drei Punkte. Sie spielen für 85 Millionen Menschen, die sie nicht mehr hören können.
Am Sonntag kommt noch die Philippinen-Partie. Danach fliegt das Team zurück – in ein Land, das vielleicht nicht mehr dasselbe ist. Die Taktik ist klar: 4-3-3, hohe Defensivlinie, schnelles Umschalten. Die Frage ist nur: wofür?
