Füchse berlin erwachen: gidsels tempo-krieg beginnt jetzt

45:29. Die Zahlen leuchten wie ein Warntafel für die Liga. Die Füchse haben nicht nur den HC Erlangen pulverisiert – sie haben ihre alte Identität wieder angezogen, als wäre die Meistersaison nie zu Ende gewesen.

Krickau zieht die bilanz: zwei monate, die alles veränderten

Nicolej Krickau spricht von „Riesenschritten“ nach vorn, doch das ist Untertreibung. Seit der EM-Pause hat sein Kollektiv 127 Tore mehr erzielt als zuvor, die Kreismitte läuft bei 72 Prozent Erfolgsquote, und Gidsel wirft aus neun Metern wie aus einem Schulhof. Der Däne lacht: „Wir haben die Handbremse gelöst, nicht nur gelockert.“

Die Offensive ist wieder das Waffenarsen, das Titel gewinnt. Die Ballgeschwindigkeit liegt laut Instat-Tracking bei 28,4 km/h im Schnitt – das ist Tempo, das selbst Magdeburg erstickt. Und genau deshalb schlägt die Stunde der Wahrheit: In zwölf Tagen reisen die Füchse an die Elbe, wo der Tabellenführer wartet.

Magdeburg kommt – und mit ihm die tordifferenz-angst

Magdeburg kommt – und mit ihm die tordifferenz-angst

Gidsel hat intern eine Tafel aufgehängt: „Jeder Treffer zählt doppelt.“ Dahinter steckt die Rechnung für den Champions-League-Platz. Aktuell beträgt die Differenz +41, nur drei Tore weniger als bei der Meister-Kampagne. Verliert man die Direktduelle gegen Magdeburg und Kiel, kann ein einziger Gegentreffer im Mai über Playoff oder Pause entscheiden.

Zwischen den Linien brodelt es schon. Elf Berliner sind nominiert, elf Körper müssen durch drei Länderspiel-Wochen. Gidsel rotiert für Dänemark durch Welt- und Europameister-Trikot. „Ich spiele drei Mal, klar. Aber ich bin 26, kein 36“, sagt er und zwinkert – und meint damit Kapitän Hans Lindberg, der sich trotz 38 Lenzen freiwillig meldete.

Pokal-final four: das schicksalsturnier in eigener halle

Pokal-final four: das schicksalsturnier in eigener halle

Nach Magdeburg folgt direkt das Final Four im Berliner Tempodrom. Heimvorteil? Vielleicht. Druck? Auf jeden Fall. Krickau nennt es „Wahnsinnsperiode“, doch hinter der Kulisse arbeitet der Videocut. Neue Kreisläufe, alternative Abwehrrotationen, ein Siebenmeter-Trick, den sie in Skopje geklaut haben. „Wir wollen nicht nur dabei sein, wir wollen das Ding gewinnen“, sagt Kreisläufer Petterson, und das klingt nicht nach Standard-Phrasendrescherei.

Die Liga blickt nach Berlin, weil hier das Tempo definiert wird. 60 Tore in zwei Spielen – das ist keine Momentaufnahme, das ist eine Drohung. Wer jetzt noch glaubt, die Füchse seien in der Rückrunde verblasst, hat die Rechnung ohne Gidsels rechte Hand gemacht. Die Saison beginnt erst jetzt – und sie endet entweder mit Pokal-Silber oder mit dem zweiten Stern auf der Brust. Mehr Optionen gibt es nicht.