Frauen-bundesliga: nürnberg beklagt ungleichbehandlung – überleben im „haifischbecken“?
Die Frauen-Bundesliga boomt, doch für den 1. FC Nürnberg droht ein bitteres Erwachen. Während finanzstarke Topklubs ihre Abteilungen massiv ausbauen, kämpfen kleinere Vereine wie der Club ums Überleben. Der Sportliche Leiter Osman Cankaya spricht Klartext über die unfairen Bedingungen und die Gefahr, dass die Liga zu einem Spiegelbild der Männer-Bundesliga verkommt.
Die wachsende kluft in der liga
Der Aufschwung des Frauenfußballs ist unbestreitbar. Borussia Dortmund, der VfB Stuttgart, Mainz 05 und Schalke 04 investieren Millionen in ihre Frauenabteilungen und drängen in die Bundesliga. Für den 1. FC Nürnberg, der einzige Zweitligist in der Frauen-Bundesliga, bedeutet das eine enorme Herausforderung. Trotz der aktuellen Chancen auf den Klassenerhalt, sieht Cankaya die Zukunft mit Sorge.
„Wir dürfen in kein Fahrwasser abrutschen, in dem die Frauen-Bundesliga irgendwann das Spiegelbild der Männer-Bundesliga ist“, warnt Cankaya. Die Gefahr besteht, dass die Liga von den großen Klubs dominiert wird und kleinere Vereine keine Chance mehr haben.

Investitionen und die gefahr der monokultur
Die Frauen-Bundesliga plant, in den nächsten acht Jahren bis zu 800 Millionen Euro zu investieren. Ziel ist es, die Lücke zu Ländern wie England und den USA zu schließen, wo Spielerinnen von ihrem Sport leben können. In Deutschland ist das aktuell nur bei den Topteams aus München, Wolfsburg und Frankfurt der Fall. Doch Cankaya mahnt, dass Geld allein nicht ausreicht. Es muss sinnvoll eingesetzt werden, um die Rahmenbedingungen zu verbessern.
Die ehemalige Nürnbergerin Lea Paulick, die inzwischen für den Hamburger SV spielt, begrüßt die Investitionen, betont aber, dass es nicht nur um mehr Zuschauer gehen darf. „Es muss ein Investment sein, das sich in der Zukunft auszahlen wird“, so Paulick. Die Liga muss eine Marke werden und Aufmerksamkeit erregen.

Nürnberg setzt auf cleverness – und bleibende sorgen
Der 1. FC Nürnberg verfolgt eine andere Strategie: Frühe Identifizierung und Förderung von talentierten Spielerinnen, die noch nicht im Fokus stehen. „Anders kann man in diesem Haifischbecken nicht überleben“, erklärt Cankaya. Trotzdem gibt er zu bedenken, dass die finanziellen Möglichkeiten der großen Klubs eine Ungleichheit schaffen, die schwer zu überwinden ist.
Ein Wechsel von Cankaya zum VfL Wolfsburg war kurz vor dem Abschluss, doch er entschied sich, in Nürnberg zu bleiben. „Ich weiß, was ich am 1. FC Nürnberg habe“, so Cankaya. Die Kapitänin Luisa Guttenberger ist überzeugt, dass der Verein auch in Zukunft konkurrenzfähig bleiben kann. Doch die kommenden Jahre werden für den 1. FC Nürnberg und andere kleinere Vereine in der Frauen-Bundesliga eine Zerreißprobe.
Die Entwicklung der Liga wird zeigen, ob die Bemühungen um mehr Gleichberechtigung und Nachhaltigkeit Früchte tragen. Oder ob das „Haifischbecken“ der Frauen-Bundesliga tatsächlich nur den größten Fischen gehört.
