Franz beckenbauer: vom fußballgott zum widerwilligen trainer
Vor 30 Jahren beendete Franz Beckenbauer, eine Legende des deutschen Fußballs, seine überraschende und doch glorreiche Trainerkarriere. Ein Mann, der den Trainerberuf eigentlich verabscheute, führte Deutschland zum WM-Titel und rettete den FC Bayern vor dem Chaos. Sport1 blickt zurück auf eine Karriere voller Kontraste und überraschender Wendungen.
Der kaiser, der nicht wollte
„Den Trainerberuf möchte ich nicht ergreifen“, soll Franz Beckenbauer einst gesagt haben – in einer Zeit, als das Schwarz-Weiß-Fernsehen noch die Bildschirme dominierte. Doch das Leben, und insbesondere das von „Der Kaiser“, hatte andere Pläne. Ohne jemals eine Trainerlizenz erworben zu haben, schaffte es Beckenbauer, einige der prestigeträchtigsten Titel zu gewinnen, was seine außergewöhnliche Persönlichkeit unterstreicht.
Die Entlassung von Jupp Derwall nach der enttäuschenden EM 1984 katapultierte Beckenbauer in ein Amt, für das er sich nie beworben hatte: Teamchef der deutschen Nationalmannschaft. Der medial bedingte Druck war enorm, und so übernahm der charismatische Franz die Verantwortung – ohne jegliche vorherige Trainerpraxis. Horst Köppel, ein lizenzierter Trainer, fungierte offiziell als sein Assistent, doch in der Realität war er eher ein stiller Berater.
Bekenbauer führte das DFB-Team in zwei WM-Endspiele und holte schließlich den Titel im eigenen Land im Jahr 1990. Ein Triumph, der ihn zu einer wahren Lichtgestalt machte. Die Kritik des Deutschen Fußball-Lehrer-Bundes ignorierte er gekonnt.

Die rettung des fc bayern
Der nächste unerwartete Schritt folgte im Winter 1993, als der FC Bayern am Abgrund stand. Mit Erich Ribbeck als Trainer schienen alle Titel außer Reichweite. In einer verzweifelten Lage wandten sich die Verantwortlichen an den Vizepräsidenten, Franz Beckenbauer. Der zögerte, da Ribbeck ein Freund war, doch der Ruf des FC Bayern war zu groß.
„Mir ist selbst ein vollkommenes Rätsel, warum ich diesen Job angenommen habe“, gestand Beckenbauer selbst. Doch die Spieler zeigten ihm Loyalität und Respekt, und der „Kaiser“ führte den FC Bayern vom 4. Platz auf den ersten Rang. Am 7. Mai 1994 trat er als Meistertrainer ab, ein Moment, der für immer in die Annalen des deutschen Fußballs eingehen würde.

Ein kurioses finale und der uefa-cup
Der Abschied von Beckenbauer war alles andere als gewöhnlich. Im ZDF-Sportstudio traf er am Abend des Meistertitels unter ungewöhnlichen Bedingungen die Torwand, wobei der Ball auf einem vollen Weizenbierglas lag – ein Bild, das die lockere Art des „Kaisers“ perfekt widerspiegelte.
Nach seiner Zeit als Trainer konzentrierte er sich auf die Vorstandsarbeit und übernahm den Posten des Präsidenten, löste Fritz Scherer ab und wurde damit zum mächtigsten Mann des FC Bayern. Doch auch in dieser Funktion gab es Rückschläge. Die Verpflichtung von Giovanni Trapattoni im Jahr 1994 scheiterte, und auch die kurzzeitige Amtszeit von Otto Rehhagel endete frühzeitig.
Doch dann kam der UEFA-Pokal. Nach dem Aus von Rehhagel übernahm Beckenbauer erneut das Ruder und führte den FC Bayern zum Titelgewinn gegen Girondins Bordeaux. Ein 2:0 in München und ein 3:1 auswärts machten den Triumph perfekt. Obwohl er in der Bundesliga nur ein Spiel gewann, war es die UEFA-Cup-Sieg, der seine Amtszeit krönte.
Seine Karriere als Trainer endete mit einem 2:2 gegen Fortuna Düsseldorf, wobei er sich im Anschluss feiern ließ und die Regentschaft an seinen Assistenten Klaus Augenthaler übertrug, der dann prompt einen Wechselfehler beging. Der Sieg war zwar da, doch die Geschichte endete mit einer deutlichen Botschaft: Franz Beckenbauer war ein Mann, der seinen eigenen Weg ging – und der den Fußball auf seine ganz eigene Art und Weise geprägt hat.
