Formel e zündet nächste stufe: 816-ps-gen4-boliden starten durch

Die Boxenmauer bebt, und das nicht nur wegen der aktuellen Saison. Hinter den Kulissen schiebt die Formel E den Turbo rein: 600 kW Dauerleistung, Allrad, 55 kWh Akku – der Sprung von Gen3 auf Gen4 ist kein Update, sondern ein Faustschlag.

Warum die neue powerstufe alle pläne über den haufen wirft

Die Zahlen sind schonungslos. 476 PS waren gestern, 816 PS sind ab morgen. Dazu ein permanentes Vorderrad-Antriebsmodul, das die alten Drift-Tänzer in reinen Katapultstarts verwandelt. Bridgestone liefert erstmals Reifen, die das Drehmoment nicht nur schlucken, sondern auch noch Energie zurückfüttern – bis zu 600 kW Rekuperationsleistung, während der alte Gen3-Heckflügel nur 250 kW verkraftete.

Die Batterie wächst von 38,5 auf 55 kWh. Klingt nach 43 Prozent mehr Reichweite, bedeutet aber vor allem: Kein Sparmodus mehr in Runde 20, kein verstecktes Management, sondern Vollgas bis zur Zieldurchfahrt. Die Strategen in den Pit-Wall-Container müssen ihre Excel-Tabellen neu schreiben, denn „mutiger“ ist hier kein Marketingwort – es ist eine Drohung für jeden, der zu frauenhaft mit dem Gaspedal umgeht.

Ein flügel kehrt zurück – und mit ihm die optik der königsklasse

Ein flügel kehrt zurück – und mit ihm die optik der königsklasse

Seit Gen1 war kein so breiter Heckflügel mehr zu sehen. Die Gen4-Karosse wirft schmale Schatten, die an die Hybrid-Ära der Formel 1 erinnern. Die Ingenieure sprechen von „natürlichem Abtrieb“, doch die Botschaft ist klar: Wir wollen endlich so aussehen, wie sich die Boliden anfühlen – brutal.

Das Chassis bleibt Einheitsware, damit der Zirkus nicht zur Geldvernichtungsmaschine wird. Doch der Eindruck täuscht: Wer denkt, dass identische Monocoques Langeweile bedeuten, unterschätzt die Software. Jeder Hersteller darf seinen Code im Antrieb und in der Energieverteilung verstecken – und genau dort entscheidet sich, ob der 600-kW-Schub in Sekunde 1 oder 3 kommt.

Warum die königsklasse plötzlich heimlich mails schreibt

Warum die königsklasse plötzlich heimlich mails schreibt

Jeff Dodds lächelt, wenn er erzählt, dass Formel-1-Piloten ihm WhatsApp-Nachrichten schicken. „Bei Gen3 meldete sich keiner“, sagt der Formel-E-Chef trocken. Nun fragen sie nach Testplätzen, nach Simulatorzeiten, nach Geheimnissen. Die Antwort bleibt höflich: Nein. Denn der Gen4 ist kein Karriere-Sprungbrett, sondern eine Kampfansage an die Verbrenner.

Porsche, Nissan, Jaguar, Stellantis, Lola, Mahindra – alle haben bereits Kilometer in Almería gesammelt. Nico Müller spricht von „einem anderen Sport“, und der Schweizer kennt sich aus: Er fuhr DTM, WEC und nun Formel E. Der permanente Allrad katapultiert den Boliden aus langsamen Kurven, als hätte jemand still und heimlich einen zweiten Motor verbaut.

Wehrlein jagt den titel – und gleichzeitig die zukunft

Wehrlein jagt den titel – und gleichzeitig die zukunft

Pascal Wehrlein muss zurzeit zwei Kopfbedienungen gleichzeitig fahren. Gen3-Evo heißt sein Arbeitsgerät für 2026, Gen4 das Projekt für 2027. „Doppelter Aufwand“ nennt der Deutsche das, doch hinter den Kulissen arbeitet sein Porsche-Team schon mit zweierlei Shiftplänen. Nach Jeddah führt er die Meisterschaft an – und weiß: Wer jetzt zögert, verliert nicht nur Punkte, sondern auch die technische Deutungshoheit für nächstes Jahr.

Die Uhr tickt. In wenigen Monaten rollen die Gen4-Testwagen durch europäische Stadtkerne, dann durch Kapstadt, Sao Paulo, Tokio. Die Strecke wird enger, die Mauern näher, die Power größer. Die Formel E bringt 1.000 Kilometer Reichweite nicht auf die Bühne, sondern 1.000 Newtonmeter Drehmoment direkt ins Renngeschehen.

Die Message ist unmissverständlich: Elektrisch bedeutet nicht länger „vernünftig“, sondern „brutal effizient“. Und wer dann noch über Sound lamentiert, verpasst einfach den Start.