Fofana packt aus: „ich bin kollateralschaden – und das wm-ticket rutscht weg“

Youssouf Fofana steht jeden Samstag im Mittelkreis von San Siro, aber in der Nacht danach schaut er auf sein Handy – und findet sich nicht. Kein Anruf von Didier Deschamps, kein Tweet, kein Hype. Der 25-Jährige spielt sich für Milan in eine neue Position, ausgerechnet dort verliert er sich selbst.

„Höher“ klingt erst einmal wie beförderung – bis man merkt, dass man abgestellt wird

„Als mir Paulo Conceição sagte, ich solle weiter nach vorne rücken, habe ich zugegrinst“, erzählt Fofana der französischen L'Équipe. „Dann merkst du: Es ist nicht das, was dein Körper will.“ Statt 30 Ballgewinne pro Spiel sind es jetzt 12, statt 78 Pässe sind es 42, und die meisten davon horizontal. Die Statistik, die ihn einst ins Nationalteam katapultierte – „metri di passaggio“ nennen die Italiener schmunzelnd die Meter, die ein Sechser nach vorne trägt –, schrumpft auf ein Drittel.

Conceição braucht ihn als rechte Achter, weil das 4-2-3-1 ohne echte Flügelstürmer auf „mezzali“ setzt, die sofort in den Strafraum sprinten. Fofana folgt, weil der Klub um die Meisterschaft kämpft. „Aber ich bin kein Box-to-Box mit 1,85 m und 80 kg. Ich bin ein Balleroberer, der das Tempo bestimmt. Wenn ich das verliere, verliere ich mich.“

Die wm-liste wird donnerstag versandt – sein name fehlt schon im entwurf

Die wm-liste wird donnerstag versandt – sein name fehlt schon im entwurf

Deschamps telefoniert sonntags mit seinen Assistenten. Seit Oktober 2024 steht Fofana nicht mehr auf der Excel-Tabelle. 25 Länderspiele, 0 Tore, 0 Assists – die Zahlen sprechen gegen ihn, weil sie in der falschen Spalte stehen. „Ich bin Kollateralschaden“, sagt er und lacht bitter. „Die Serie A wurde in Frankreich letzte Saison kaum gezeigt; dieses Jahr bin ich nicht mehr der Sechser, den sie suchten.“

Die Entscheidung fällt an diesem Donnerstag. Brasilien und Colombia warten in den USA, zwei Tests, die die endgültige 26-Mann-Liste vorbereiten. Fofana wird nicht dabei sein. „Ich werde nicht anrufen und fragen: Warum ich nicht? Ich respektiere Deschamps. Aber ich würde gerne mal erklären, was mit mir passiert.“

Milan droht, einen Spieler zu verheizen, der für Frankreich eigentlich unverzichtbar war. Der Deal: Er hilft dem Klub, der Klub hilft ihm nicht zurück. Die Ironie: Je besser Milan wird, desto weniger bleibt von Fofana übrig.

Die lösung? ein gespräch – oder ein wechsel, der keiner ist

Die lösung? ein gespräch – oder ein wechsel, der keiner ist

Conceição könnte ihn wieder zurückfallen lassen, aber dann fehlt die Dynamik vorne. Ein Transfer wäre kein Ausweg: Wer kauft einen Spieler, der gerade erst lernt, eine Position zu hassen? Fofana bleibt, bis die Meisterschaft entschieden ist. Danach wird er anrufen. Nicht bei Deschamps, sondern bei seinem Vater. „Er hat mich gelehrt, dass man manchmal nach vorne geht, um sich selbst zu finden. Vielleicht muss ich einfach nur wieder zurück.“

Bis dahin fliegt er nach Katar nicht als Tourist, sondern als Zuschauer im eigenen Leben. Die Saison endet am 25. Mai. Die WM beginnt im November. Zwischen diesen beiden Daten muss Fofana sich selbst neu erfinden – oder er wird zur Fußnote in der Geschichte eines Klubs, der ihn höher stellte, als er je wollte.