Florian wellbrock: nach dem quadruple-jahr jagt er jetzt den euro-cash
Florian Wellbrock tritt 2026 ohne Zielscheibe an – und genau das ist sein neuer Plan. Der Magdeburger, der 2025 in Singapur alle vier Freiwasser-Weltmeistertitel klaute, startet am Freitag in Soma Bay in die Weltcup-Saison. Kein „muss“, nur ein „will“: alle vier Stationen zu schwimmen, das hat er noch nie geschafft. „Das hat übrigens auch monetäre Ursachen“, sagt er und lacht trocken. „Über die marginalen Preisgelder bei einer Europameisterschaft kriegen wir uns ja gar nicht richtig refinanziert.“
Paris gilt als revanche, nicht als trauma
Die EM (31. Juli bis 16. August) wird in jenem Sommer zur Nebensache. Wellbrock redet offen über das Olympia-Debakel 2024, als er in der Seine leer ausging. „Ich weiß, dass es damals eine mentale Formsache war“, räumt er ein. Die Strecke bei der EM liegt nicht exakt dort, wo er scheiterte – „fast schade“, findet er. „Dann könnte man direkt etwas gutmachen.“ Stattdessen schwimmt er woanders, aber mit neuer Software im Kopf: weniger Druck, mehr Spaß, null Selbstmitleid.
Der Körper fordert den Tribut der Vier-Jahres-Hammer. Wellbrock war diese Saison öfter krank als je zuvor. „Vielleicht muss der Körper einfach ein bisschen Tribut zollen für die letzten Jahre“, sagt er. Also dreht er herunter. Statt Zielzeit nennt er nur Termine: Soma Bay, Dubai, Funchal, Hongkong. Vier Stopps, vier Startgelder, vier Chancen, die Rechnungen zu bezahlen. Die Medaillensammlung darf warten.

Die goldene last trägt sich selbst
Dass er der viermalige Weltmeister ist, der nie mehr so gut werden kann wie 2025, wispert niemand hinter ihm her – außer er selbst. „Egal was kommt, es kann nur schlechter werden“, sagt er. Satz mit x-beliebiger Traurigkeit? Keine Spur. Wellbrock sagt es mit dem Grinsen eines Mannes, der schon alles hat und trotzdem noch was zu holen. Die EM in Paris? Ein Nebengewässer. Der Weltcup? Die Hauptrunde. Und danach? „Dann schaue ich, wie viele Flugmeilen ich gesammelt habe.“
Die Freiwasser-Saison beginnt, aber der Favorit tritt als Freiberufler an. Kein Ziel, kein Druck – nur ein Magdeburger, der seinen Sport liebt und seine Bankkonto-App. Manchmal reicht das.
