Florian kainz zieht schlussstrich: „servus“ nach 25 jahren profifußball
Die Nachricht kommt per Video, kurz nach dem Abpfiff des Trainings. Florian Kainz sitzt im Kabinengang, die Kameraleuchte spiegelt sich in seinen Augen. „Es war eine unglaubliche Reise“, sagt er, und schon im nächsten Satz holt er aus: „Nach 25 Jahren Fußball sage ich im Sommer ‚Servus‘.“ Kein langer Vorlauf, keine Schleife. Der 33-Jährige beendet seine Karriere – mitten im Abstiegskampf, mitten in einer Saison, in der er selbst nur noch Joker ist.
Die Zahlen stehen auf seiner Seite: 202 Pflichtspiele für den 1. FC Köln, 28 Tore, davon mindestens ein halbes Dutzend, die den Klub vor dem Abstieg retteten oder in der Relegation den entscheidenden Pass spielten. Doch die Statistik interessiert Kainz gerade wenig. Er redet vom „schönsten Geschenk zum Abschied“: der Klassenerhalt. „Dafür werde ich bis zum letzten Tag alles geben“, verspricht er – und meint damit wortwörtlich den letzten Tag, nicht die letzte Woche.
Von graz nach köln: der lange weg des feinen linksfußes
Seine Geschichte beginnt mit 17 Jahren in Graz, wo er schon in der ersten Saison europäisch spielte. Die Bundesliga rief 2016, Werder Bremen zahlte 3,5 Millionen Euro für den dribbelstarken Österreicher. Doch erst in Köln wurde Kainz zur Identifikationsfigur. Er erlebte zwei Aufstiege, einen Abstieg, die Europa-League-Überraschung gegen Arsenal, die Relegationsdramen gegen Holstein Kiel. Er trug die Binde, schoss Freistoßtor um Freistoßtor und wurde trotz Akzent zum echten Kölner.
Thomas Kessler, heute Geschäftsführer, saß einst mit ihm in der Kabine. „Kainzi hat sich vom ersten Tag an zu hundert Prozent mit unserem Klub identifiziert“, zitiert der Club ihn. Das klingt nach Standardphrase, ist aber Programm. Denn in Köln wird Zugehörigkeit nicht nach Trophäen gemessen, sondern nach Herzschlag-Frequenz. Kainz lieferte sie, auch wenn er in dieser Saison nur noch 773 Minuten spielte – meist als Einwechselspieler, der den Gegner mit frischen Beinen und altem Trickreich-tum verunsichern soll.

Der letzte einsatz wird zur zitterpartie
Der FC steht auf Platz 14, punktgleich mit Relegationsrang 16. Die restlichen fünf Spiele werden über Kainz’ letztes Kapitel entscheiden. Er selbst hat bereits angekündigt, nach dem Sommer „eine Pause“ zu machen, bevor er sich neuen Aufgaben widmet. Kein Trainingslager, kein Testspiel, keine Sommertour. Schluss, aus, vorbei. Die emotionale Grenze zieht er jetzt, damit die Mannschaft nicht erst im Mai merkt, dass einer fehlt.
Am Samstag geht es nach Heidenheim. Kainz sitzt wieder auf der Bank, bereit für den letzten Auftritt. Die Fans werden „Kainzi“ rufen, die Kurve wird „Oh wie ist das schön“ anstimmen – und er wird winken, aber nicht weinen. „Servus“ heißt auf Wiedersehen, nicht auf Nimmerwiedersehen. Und wenn der Klassenerhalt am 34. Spieltag feststeht, wird er sich seine neue Realität selbst schenken: ein Abschied, der nicht weh tut, weil er selbst die Regie übernahm.
