Flick zittert: nur fünf profis da – die stars kommen heute nacht zurück
Hansi Flick stand am Dienstagmorgen auf dem Trainingsrasen von Sant Joan Despí und hatte gerade mal eine Handvoll Feldspieler zur Verfügung. Szczesny, Gerard Martín, Casadó, Eric García und Gavi – das war der komplette Kader der ersten Garnitur. Der Rest absolviert Länderspiele auf fünf Kontinenten, und keiner kann sagen, wann er wieder fit ist.
Die uhr tickt: erst 48 stunden bis zum liga-spiel
Am Samstag empfängt Barça Deportivo Alavés. Theoretisch. Denn während Flick seine Aufstellungskarten sortiert, fliegen Cancelo über den Atlantik, Lewandowski und Roony prügeln sich in Schweden gegenseitig die Hacken platt, und Araujo kickt in Udine gegen Italien. Die physischen Daten dieser Einsätze landen direkt auf Flicks Laptop – und sie zeigen: Kilometerstand rot.
Die spanischen Legionäre haben es da leichter. Pedri, Dani Olmo, Lamine Yamal und Co. spielen im benachbarten RCDE Stadium gegen Dänemark. Kurze Taxifahrt, kein Jetlag. Dennoch: Wer 90 Minuten läuft, darf am Mittwoch nur regenerieren, nicht intensiv trainieren. Flick rechnet intern mit vier Rückkehr-Optionen für Donnerstag, mit Spielfreude wird das nichts.
Die gute Nachricht kommt aus der Reha-Abteilung. Alejandro Balde und Jules Koundé absolvierten Teile der Einheit mit der Gruppe, ihre Rückkehr rückt näher. Frenkie de Jong dagegen trainiert weiter solo – sein Knöchel ist ein Buch mit sieben Siegeln, und die Seiten sind noch lange nicht umgeblättert.

Der länderspiel-marathon in zahlen
Barça hat 16 Auswahlspieler an 12 Standorten verteilt. Von Benidorm bis Atlanta sind das 9 800 Flugkilometer allein für Cancelo. Addiert man alle Reisestrapazen zusammen, summieren sich rund 46 000 km – mehr als ein Erdumrund. Die Gefahr von Muskelverlust, Schlafrhythmus-Störungen und Kommunikationsproblemen steigt exponentiell.
Und die Konkurrenz schläft nicht. Real Madrid konnte seine Stars weitgehend schonen, Atlético profitiert von frühen WM-Quali-Pausen. Barcelona dagegen liefert den Kern jeder Junioren- und Seniorenauswahl – ein Selbstbedienungsladen für nationale Trainer, aber ein Albtraum für Flicks Fitnessteam.
Die Lösung? Rotation, Joker, Risiko. Gavi wird wohl wieder von Beginn an laufen müssen, obwohl seine Knorpel sich erst dem 20. Lebensjahr nähern. Marc Bernal rückt aus der U21 direkt ins Visier, Pau Cubarsí darf nach 180 Minuten in zwei Tagen vielleicht schon wieder in der Startelf stehen. Die Jugend soll retten, was die Profis durch Abwesenheit verspielen.
Am Freitagabend liegt der Plan: Wer zurückkommt, fliegt direkt ins High-Performance-Lab, Blutwerte, Schlafquotient, GPS-Daten. Keine Minute wird verschenkt. Denn wer gegen Alavés patzt, darf in der Länderspielpause danach die Medienfragen beantworten – und das wollen weder Flick noch die Spieler. Die Meisterschaft ist kein Marathon mehr, sie ist ein Sprint auf Glasplittern. Punkt.
