Flensburg zieht die notbremse: golla raus, bergholt rein – und jetzt?

Die SG Flensburg-Handewitt hat den Rotstift geschwungen. Johannes Golla zieht nach Kassel, Lukas Jörgensen packt die Koffer Richtung Veszprém, Kevin Möller kehrt nach Dänemark zurück. Drei Identifikationsfiguren, drei Löcher – und nur ein Sommer, um sie zu stopfen. Doch statt zu lamentieren, legt Manager Holger Glandorf einen Turbo-Transfer nach dem anderen aufs Parkett.

Simon möller springt in die handball-weltbühne

Der Name ist Programm: Möller für Möller. Der 25-jährige Schwede Simon beerbt den erfahrenen Cousin Kevin im Tor. Gemeinsam mit Benjamin Buric bildet er künftig das neue Keeper-Duo. „Simon hat sich in Toulouse bewiesen, er kommt mit Druck klar und bringt die nötigeRuhe für unsere Angriffe“, sagt Glandorf. Die Verträge sind langfristig, die Erwartungen riesig. Denn Flensburg will nicht nur teilhaben, sondern dominieren.

Die Defensive war zuletzt das größte Sorgenkind. Gegner schoben sich wie Reißbrettfiguren durch die Mitte, weil Golla fehlte und Jörgensen angeschlagen war. Jetzt kommt Emil Bergholt vom dänischen Meister Skjern. Weltmeister, 1,96 m, linker Fuß wie ein Kolben. Bergholt soll sofort liefern, aber er ist nur ein Teil des Puzzles. Denn hinter ihm wartet die nächste Baustelle.

Die kreis-frage bleibt offen – und das macht flensburg nervös

Die kreis-frage bleibt offen – und das macht flensburg nervös

Mit Golla und Jörgensen verlieren die Norddeutschen 3,5 Tore pro Spiel. Bergholt kann nicht alles allein wuppen. Intern wird über einen zweiten Kreisläufer spekuliert, doch Glandorf schweigt. „Wir schauen uns um, aber Qualität hat ihren Preis“, sagt er vage. Die Fans fürchten ein Déjà-vu: 2019 rutschte Flensburg nach einem verpatzten Kreis-Transfer fast aus der Champions-League-Gruppe. Die sportliche Leitung will diesen Fehler nicht wiederholen, doch der Markt ist leer.

Stattdessen setzt Trainer Ales Pajovic auf Quantität im Rückraum. Mit Aymeric Minne kommt ein französischer Allrounder, der auf allen drei Positionen spielen kann. „Wir können jetzt mit fünf Rechts- und Linksaußen rotieren, das ist Luxus“, schwärmt Pajovic. Doch Luxus gewinnt keine Titel, wenn die Mitte wackelt. Die nächsten Wochen entscheiden, ob Flensburg noch einmal zugreift oder mit internen Lösungen lebt.

Die Uhr tickt. Die Champions-League-Gruppenphase rückt näher, die Konkurrenz schläft nicht. Veszprém hat mit Jörgensen den nächsten deutschen Leistungsträger abgeworben, Kiel pocht mit einer kompletten neuen Abwehrkette auf. Flensburg? Flensburg hat einen Plan – aber ob der reicht, wird sich am ersten Spieltag zeigen. Die Antwort liegt irgendwo zwischen Emil Bergholts Ellenbogen und einem noch unbekannten Kreis-Ass. Die Liga wartet. Die Fans auch.