Flandern ruft: van aert und van der poel liefern sich 88. feldschlacht bei in flanders fields
Middelkerpe, 29. März, 10:08 Uhr. 175 Fahrer, 25 Teams, ein Pflasterberg. Die 88. Ausgabe von Gand-Wevelgem heißt jetzt „In Flanders Fields“ und startet erstmals an der Nordseeküste. Grund: mehr Tourismus, mehr Geld, mehr Drama. Der Kemmelberg wird dreimal gequält, das letzte Mal 35 km vor dem Ziel in Wevelgem. Danach ist Luft raus oder Sieg eingefahren.

Warum der kemmelberg heute alles versaut
Der Kemmel ist kein Berg, er ist ein Betonbiss. 17 % Steigung, Kopfsteinpflaster, Wind von drei Seiten. Wer dort nicht attackiert, verliert. Wer zu früh attackiert, verliert auch. Mathieu van der Poel hat diese Rechnung noch nie gelöst – drei Mal Rang drei, nie den Sieg. Wout van Aert kennt die Antwort nur einmal: 2021, seither Funkstille. Heute liefern sie sich die Frühjahrs-Generalprobe für Roubaix.
Jonathan Milan trägt die Startnummer 1. Der Friulane war 2024 Fünfter, 2025 Dritter – Trend steil. Nach Sanremo-Frust will er endlich eine Monument-Niederlage in einen Sieg ummünzen. Filippo Ganna plant nur kurz mit ihm: Der Zeitfahr-Weltmeister will nach seinem enttäuschenden Sanremo Rückschlag abhaken und vor der Hölle von Nordfrankreich Selbstvertrauen tanken.
Die Startliste liest sich wie ein Who-is-Who der flandrischen Härte: Stuyven, Trentin, Valgren, Vermeersch. Jasper Philipsen fliegt als reiner Sprinter mit, doch seit 2019 kam kein Massensprint mehr. Mads Pedersen fehlt – grippebedingt. Letztes Jahr zog der Däne 56 km allein durch Wind und Kriegsgräber, heute bleibt sein Sattel leer.
241 km, elf Stunden Schlacht. Zwischen den Dünen von Middelkerke und den Grabkreuzen von Wijtschate wartet Historie, die man schmeckt. Erster Anstieg: Kemmel bei km 111. Zweiter: km 149. Dritter: km 206 – danach nur noch flaches Land, aber leere Beine. Die Zielgerade in Wevelgem ist 300 m lang und hat schon Champions zerlegt.
Die Organisatoren rechnen mit 1,2 Millionen TV-Zuschauern und 300.000 vor Ort. Der neue Name „In Flanders Fields“ spielt auf das Gedicht von John McCrae an, geschrieben 1915 im Graben von Ypern. Marketing-Leute nennen es Storytelling, hier nennt man es einfach Heimat.
Start 11 Uhr, Finish kurz nach 17 Uhr. Wer dann die Hände in die Luft stemmt, trägt nicht nur ein Trikot, sondern ein Stück Kriegs- und Windgeschichte. Die Wette: Van Aert oder Van der Poel – mehr dürfen sich die Buchmacher nicht trauen. Die Wahrheit liegt auf dem Kemmel, drei Mal, kein Versteck.
