Fifa series 2026: 50 teams, zwölf schauplätze – der globus wird zum trainingscamp

Die FIFA pfeift die Nationalteams zurück auf den Rasen, mitten in die Klub-Saison. Vom 25. bis 31. März duellieren sich 50 Auswahlen in 13 Mini-Turnieren, verteilt auf zwölf Länder – ein Logistik-Feuerwerk, das der Verband als „konkreten Beitrag zur globalen Entwicklung des Fußballs“ verkauft. Dahinter steckt ein simpler Trade: Fernsehgeld gegen Länderspiel-Pflicht. Der erste Testlauf 2024 lief passabel, die Quote stieg. Jetzt kommt die Großausgabe.

Warum australien plötzlich deutscher wird

Jackson Irvine trägt beim FC St. Pauli Mittelfeld-Regie, im Juli trifft er mit den Socceroos im WM-Gruppenspiel auf den DFB-Gegner Curaçao. Beide Teams treffen sich bereits Ende März in Sydney – ein Vorspiel mit Antest-Charakter. Irvine lacht: „Wir bekommen Einblicke, bevor der Gegner überhaupt offiziell gegeneinander spielt.“ Für Bundestrainer Julian Nagelsmann ein Nebenschauplatz, für den australischen Verband ein Coup: Ein Heimspiel gegen Deutschland verkauft sich teurer als jede WM-Quali.

Die UEFA hat ihre Elite im Stich gelassen. Kein DFB-Team, keine Niederlande, keine Italiener. Stattdessen reist Bulgarien nach Jakarta, Estland nach Kigali. Die FIFA zahlt Startgelder und Reisekosten, für kleine Verbände ein Rettungsanker. Der finnische Verband budgetiert 300 000 Euro Netto – allein durch die Teilnahme. Ein Sechstel des Jahresetats. Der Sportdirektor nennt es „Solidaritätsgeld mit PR-Effekt“.

Frauen bekommen eigene inseln

Frauen bekommen eigene inseln

Während die Männer durch Asien und Afrika tingeln, starten die Frauen am 9. April in São Paulo, Nairobi und Bangkok. Brasilien gegen Kanada – zwei Top-10-Teams, die sich sonst nur bei Weltmeisterschaften sehen. Die Ticketpreise für das Einzelspiel liegen zwischen fünf und zwölf Euro, Kinder zahlen die Hälfte. Die FIFA erhofft sich Reichweite im Streaming, die Verbände füllen leere Stadien. In Kenia rechnet man mit 25 000 Zuschauern pro Partie – dreimal so viel wie beim letzten Liga-Durchschnitt.

Keine Verlängerung, sofort Elfmeterschießen – das Regelwerk verkürzt sich zur Entertainment-Schlacht. Die Spieler protestierten 2024, nun schweigen sie. Grund: Die Klubs zahlen Prämien für Länderspiel-Einsätze, die Verbände stocken auf. Ein Nationalspieler aus der CONCACAF kann sich mit drei Turnieren im Jahr ein Zusatzeinkommen von 80 000 Dollar sichern. Für manchen Profi aus Trinidad mehr als das Gehalt.

Ruanda wird zum epizentrum

Ruanda wird zum epizentrum

Kein Land übernimmt mehr Spiele als Ruanda. Kigalis neues Stadion fasst 22 000, zwei Gruppen laufen parallel. Präsident Paul Kagame twittert Stolz, das Außenministerium wirbt mit „Sport-Diplomatie 2.0“. Hinter den Kulissen sichert Paris die TV-Rechte für frankophone Märkte, Kigali bekommt 20 Prozent der Erlöse. Ein Geschäft, das sich für ein Entwicklungsland rechnet – und für die FIFA ein Testfeld, wie weit Soft-Power reicht.

Die Spielorte sind verteilt wie Schachfiguren auf einem globalen Brett. Puerto Rico empfängt amerikanische Inselteams, Kasachstan lockt Namibia und Komoren. Für Fans heißt es: Visum, Impfpass, Streaming-Abo. Die FIFA appelliert an „globale Fan-Community“, liefert aber nur englische Kommentarspuren. Ein kleiner Schritt für den Weltverband, ein großer Sprung für die Statistik: Erstmals treffen Spieler aus Macau und Liechtenstein aufeinander – ein Match, das sonst nur im Football Manager möglich wäre.

Die Series endet ohne Rangliste, ohne Trophy, nur mit Siegprämien. Dennoch zählt jedes Tor für die FIFA-Rangliste. Ein Hintertürchen, das Trainer nutzen. Uruguay wird nicht teilnehmen, weil die Punkte kaum reichen, um in die Top 30 zu rutschen. Für kleine Nationen zählt jedes Ergebnis doppelt. Die FIFA nennt es „Chancengleichheit“, Kritiker sprechen von „Point washing“. Fakt ist: Im März wird der Globus zum Trainingsplatz – und die Uhr für die WM tickt lauter.