Fajardo entfacht europa-league-feuer: betis jagt geschichte in braga
Manu Fajardo sitzt im Flieger nach Portugal und spürt das Herzklopfen. 2.000 Sevillanos haben das Flugzeug gebucht, Tausende mehr werden im Estádio Municipal draußen stehen. „Wir spielen wieder zu Hause“, sagt der Sportdirektor des Real Betis. Für ihn ist das Viertelfinal-Hinspiel in der UEFA Europa League gegen Sporting Braga kein Auswärtsspiel, sondern eine Pilgerfahrt. Erste Runde, erstes Mal, erste Chance auf ein Stück Ewigkeit.
Die angewohnheit des gewinnens
Fajardo redet nicht von Glück. Er redet von Anspruch. „Betis muss sich daran gewöhnen, jedes Jahr solche Spiele zu bestreiten“, fordert er. Die Vergangenheit war ein einziger Tanz zwischen Erstrunden-Aus und Klassenrettung. Jetzt, mit Manuel Pellegrini an der Seitenlinie, soll daraus Routine werden. Die Botschaft ist klar: Wer im Viertelfinale steht, darf nicht mehr staunen. Er muss weitermachen.
Die gute Nachricht reiste im Handgepäck: Isco hat den Kader erreicht. Noch fehlt die medizinische Freigabe, doch schon der Anblick des Spielmachers beim Rondo hat den Staff elektrisiert. „Isco braucht das Team – und das Team braucht Isco“, erklärt Fajardo. Die Chemie zwischen dem Malaga-Magier und dem Andalusier-Kollektiv war in der Vorrunde der Schlüssel für Platz eins der Gruppe. Seit seinem Muskelfaserriss fehlt die letzte Drehung vor dem Tor. Heute Abend (21 Uhr) darf er wenigstens auf der Bank die Sehnsucht stillen.

Braga ist kein wundertüte
Fajardo hat die Videos studiert. Was er sah, gefällt ihm nicht. „Sehr gut strukturiert, mit Ball, ohne Ball, immer ein freier Mann zwischen den Linien, extrem vertical nach vorn“, zählt er auf. Kurz: Artur Jorge hat eine Mannschaft geformt, die den Gegner zerreißt, sobald er den Ball verliert. Die Portugiesen schossen in der Gruppenphase zwölf Tore, kassierten nur drei. Das Tempo aus dem Mittelfeld heraus erinnert den Betis-Sportdirektor an einen Boxangriff: Erst locken, dann zuschlagen.
Die Antwort der Spanier muss in der kämpferischen DNA liegen. Das 0:0 gegen Espanyol am Wochenende lieferte die Blaupause: Pressing nach Ballverlust, sofortige Ballrückeroberung, zweite Aktionen wie am Schnürchen. Nur der Abschluss war ein Scherz. „Wir erarbeiten uns fünf Riesenchancen, treffen kein Mal. Das können wir uns in Braga nicht leisten“, warnt Fajardo. Die Statistik ist gnadenhaft: In der Liga liegen die Grün-Weißen bei 43 erzielten Treffern – Platz sieben, weit weg von der Champions-League-Zone.

Die rechnung geht auf
Trotzdem fliegt Betis nach Norden, weil die Rechnung aufgeht. Die Europa League beschert dem Klub allein durch das Erreichen des Viertelfinals rund 3,5 Millionen Euro Prämie, dazu kommen TV- und Ticketerlöse. Die Schulden sinken, der Kader wächst. Fajardo weiß: Fußball ist Business. Aber er will mehr. „Wir träumen nicht. Wir planen“, betont er. Der Plan lautet: Druck erzeugen, früh erhöhen, das Rückspiel in Sevilla zur Party machen.
Um 23 Uhr wird er wieder im Flieger sitzen. Entweder mit einem Auswärtssieg im Gepäck oder mit der Erkenntnis, dass 90 Minuten im Benito Villamarín zur reinen Finale werden. Was auch immer passiert: Die 2.000 Fans werden singen, bis der Pilot landet. Und Fajardo wird wieder das Herzklopfen spüren. Denn das ist der Moment, in dem er merkt: Betis hat sich längst daran gewöhnt, Geschichte zu schreiben.
