Evenepoel rast im schnee – katalonien-rennen wird zur zitterpartie
Remco Evenepoel schwebte auf 2.300 Metern, aber nicht im Radsport-Himmel – er saß im Schnee fest. Der Doppel-Olympiasieger musste sich auf Teneriffa von der Polizei den Teide hinablotsen, um rechtzeitig zur Volta a Catalunya zu starten. Jetzt wird das Etappenrennen für ihn und den deutschen Shootingstar Florian Lipowitz zur Generalprobe für die Tour de France.
Schneekatastophe kurz vor dem start
Die Bilder aus dem Höhentrainingslager sahen aus wie aus einem Wintermärchen: Meterhohe Schneemassen, gesperrte Passstraßen, keine Durchfahrt bis auf Weiteres. „Wir sitzen seit zwei Tagen fest“, postete Evenepoel und löste bei Fans und Teambossen Kreislaufkollaps aus. Ohne Polizeieskorte wäre der Belgier heute noch auf dem Vulkan. Stattdessen steigt er am Montag in Calella ins Rennrad, um gemeinsam mit Lipowitz die erste echte Berg-Doppelspitze von Red Bull-Bora-hansgrohe zu testen.
Die Logistik war ein Albtraum: Flug umbucen, Bike frisch aufbauen, Wettkampf-Kalender neu justieren. Alles in 48 Stunden. „Wenn du den Glauben verlierst, verlierst du auch die Geduld“, sagte Evenepoel einmal. Diesmal hielt er sich an seiner eigenen Devise fest.

Vingegaard lauert bereits auf der nächsten passhöhe
Während die Bora-Crew noch den Schnee von den Schuhen klopft, hat Jonas Vingegaard längst die heiße Phase seiner Vorbereitung erreicht. Der zweimalige Tour-de-France-Sieger gewann Paris-Nizza und will im Mai den Giro attackieren. Für ihn ist Katalonien kein Test, sondern ein Statement. Lipowitz und Evenepoel hingegen müssen erst lernen, sich gegenseitig zu verschwören, statt sich in die Quere zu kommen.
Ihr einziger gemeinsamer Sieg: das Mannschaftszeitfahren auf Mallorca im Januar. Ein Sieg, der damals wie ein netter Nebeneffekt wirkte – heute liest er sich wie ein Omen. Denn wer in der Zeitfahrt synchron tritt, kann auch in den Pyrenäen den Rhythmus des anderen spüren.
Die französischen Alpen rücken näher. Wer dort im Juli das Gelbe Trikot trägt, wird sich vielleicht an diesen verschneiten März erinnern: an einen Tag, an dem ein Fahrer fast steckenblieb – und dann doch durchbrach. Remco Evenepoel hat den Schnee überlebt. Jetzt kommt das Feuer der Konkurrenz.
