Pogacar krönt sich zur legende: sturz, blut, sieg – und die slowenin an seiner seite
110 Kilometer in der Wüste, Asphalt im Knie, Trikot zerfetzt – und dann noch mal voll durchtreten. Tadej Pogacar hat die Milano-Sanremo in eine Heldenepos verwandelt, das sich selbst Eddy Merckx 1971 nicht träumen ließ. 34 Kilometer vor dem Ziel riss ein Sturz Loch im Peloton, der Slowene flog über das Vorderrad, lag Sekundenbruchteile später wieder im Sattel und jagte mit zerfetztem Hosenboden und offener Wunde auf das Via Roma. Zieljubel: 6h 15' 09''. Die 117. Auflage geht in die Annalen – und mit ihr die Geschichte zweier Slowenen, die sich auf Rädern verstehen.
Urška žigart: die kraft hinter dem radsuperheld
Zu sehen war sie nur kurz: ein rotes Trikot hinterm Absperrband, Tränen, dann ein verstohlener Kuss auf Pogacars blutige Schläfe. Urška Žigart, 27, zweifache slowenische Meisterin im Zeitfahren, kennt die Schmerzgrenze. Sie trainiert im Winter mit ihm auf den Hügeln um Monaco, wo das Paar seit 2021 lebt. „Wir tauschen Pulswerte statt Geschenke aus“, sagte sie einmal lachend – und meinte es halb im Ernst. Pogacar sagt, er fahre schneller, wenn sie vorausfährt. Die Psychologen nennen das „ pacing per amore“: Wer sich verliebt, tritt leichter in die Pedale.
Die Zahlen sprechen für sich: Seit dem Kennenlernen 2019 stieg Pogacars Siegquote von 11 auf 28 Prozent. Žigart holte in denselben Jahren ihre ersten WorldTour-Podestplätze. Gemeinsam gewannen sie vier Etappenrennen, zwei Nationaltitel, eine Goldmedaille – und nun eben ein Monument. „Wir verstehen uns blind“, sagt Žigart, „ich kenne seine Atemfrequenz, er kennt meinen Blick, wenn die Beine brennen.“

Monaco, magnums und ein minizoo
Abseits der Pisten leben sie diskret: ein Appartement in Monte-Carlo mit Blick auf Jachten, dazu zwei Australian Shepherds, einen Zwergpudel und ein Instagram-Profil, das mehr Hund als Rad zeigt. Sponsoren lieben das Bild vom Powerpaar, das abends statt Prosecco ein Magnum-Eis teilt. „Wir sind keine Influencer, wir sind Profis“, betont Pogacar, doch die Marken zahlen trotzdem: Zwischen 3 und 5 Millionen Euro Jahreswerbung fließen über seine Management-Firma, Žigart unterschrieb 2023 einen Zusatzvertrag mit Bikebrand SRAM – gemeinsam.
Die Balance ist längst Geschäftsmodell. Während andere Radstars in Villas in der Provence versinken, mietet das Paar eine 80-Quadratmeter-Wohnung, um nah am Trainingsgelände zu bleiben. „Wir sparen Reisezeit, gewinnen Schlaf“, sagt Žigart. Der nächste Beweis folgt bereits: Bei der bevorstehenden Tour de France will Pogacar seinen dritten Gesamtsieg, Žigart strebt nach der Etappe 4 im Einzelzeitfahren ins Gelbe Trikot der besten Dame. „Unser Kalender ist auf Sekunde synchronisiert“, lacht sie.
Die Geschichte endet nicht mit einem Kuss auf dem Via Roma. Sie beginnt neu, sobald die Wunden vernarbt sind. Pogacar fliegt morgen nach Andorra, um Höhentraining zu starten – mit Žigart im Windschatten. Denn wer sich verliebt, fährt nicht nur schneller, er fährt auch weiter. Und das nächste Kapitel steht schon fest: die Ardennen-Woche im April. Zwei Räder, ein Ziel. Kein Märchen, sondern Sport auf höchstem Niveau.
