Eva lys versinkt im charleston-sand: 0:6 im dritten satz – saison-sieg weiter nur fata morgana
Ein Aufschlag ins Aus, ein letzter verzweifelter Blick – und schon steht Eva Lys mit leeren Händen da. Die 24-jährige Hamburgerin verpasste beim WTA-Turnier in Charleston auch im dritten Turnier des Jahres den ersten Sieg, nachdem sie gegen die US-Amerikanerin Katie Volynets noch Satz eins hauchdünn gewinnen konnte, dann aber mit 2:6, 0:6 komplett abtauchte.
Die Zuschauer auf dem grünen Clay von Daniel Island sahen zwei verschiedene Spielerinnen: zunächst die aggressive Lys, die mit platzierten Vorhand-Longlines das Tempo diktierte und Volynets ins Laufen brachte. Doch nach dem 5:7-Knockout im Tiebreak schlug die Stunde der Wahrheit. Volynets nahm jede zweite Aufschlagchance mit, Lys fand keine Antwort – ihre erste Aufschlagquote sackte von 68 % auf 41 %, die Winner-Zahl von 14 auf magere drei.

Das knie, die pause, der druck
Die Erklärung liegt auf dem Court: Die Knieverletzung nach den Australian Open raubt ihr nicht nur Sprungkraft, sondern auch die mentale Sicherheit. „Wenn du drei Monate lang nur Reha machen durftest, fehlt dir das Matchrhythmus-Gen“, sagte Bundestrainerin Barbara Rittner kürzlich im Doppelpass – und genau das zog sich wie ein roter Faden durch die 78 Minuten in Charleston.
Lys war nicht nur die einzige Deutsche im Hauptfeld, sie war auch die Letzte, die sich nach ihrer Verletzung noch in der Lauerstellung befand. Nun droht der freie Fall: Aktuell liegt sie auf Platz 118 der Weltrangliste, muss in den nächsten Wochen 180 Punkte aus dem Vorjahr verteidigen und droht erstmals seit 2022 die Top-150 zu verlassen.
Was bleibt, ist ein Terminkalender, der sich füllt. Bereits am Freitag reist sie nach Stuttgart, wo sie eine Wildcard für das 500er-Turnier erhalten soll. Dort trifft sie voraussichtlich auf Jelena Ostapenko – eine Gegnerin, die ebenfalls nach Form schielt, aber zumindest nicht mehr auf den ersten Saisonsieg wartet. Für Lys wird es kein nächstes „vielleicht“ geben, sondern ein „jetzt oder nie“. Die Uhr tickt lauter als je zuvor.
