Eta schreibt geschichte: union-sieg trotz abschied in sicht

Marie-Louise Eta hat’s getan. 3:1 in Mainz, der erste Dreier einer Frau als Cheftrainerin in der Bundesliga-Geschichte – und das ausgerechnet im Vorletzten Spiel ihrer Interimslösung. Die Zahlen sind so hart wie ironisch: ein Sieg, zwei Punkte aus vier Partien, Klassenerhalt gesichert, trotzdem kein Weiter so.

Der jubel war echt, der abschied schon beschlossene sache

Als der Schlusspfiff ertönte, rannte Christopher Trimmel direkt auf sie zu, umarmte seine Coach so fest, dass die Kappe flog. „Wir haben auch für sie gewonnen“, sagte der Kapitän später. Eta selbst blieb kurz hinter der Mittellinie stehen, Faust gen Himmel, Blick Richtung Auswärtsblock. 3.000 Unioner hatten sich trotz Tennisball-Protest auf den Weg gemacht, um 19.30 Uhr an einem Sonntag – ihrer Wut auf den DFB-Spielplan und ihre Liebe zum Verein gleichermaßen Ausdruck verleihend.

Das 1:3 war nicht nur ein Ergebnis, es war eine Antwort. Auf die Krisen-Talkshows, auf die Memes, auf die Frage, ob eine 33-jährige Ex-Nationalspielerin, die mit 17 schon die Champions League gewann, Männer auf dem höchsten deutschen Niveau führen kann. Die Antwort lautet: klar, aber nur kurz.

Denn der Vertrag mit der Union-Frauenmannschaft, den Eta vor Monaten unterschrieb, gilt. „Ich habe ihn mit voller Überzeugung unterschrieben, deshalb gibt es keine andere Option“, sagte sie nach dem Spiel, während die Kabine nebenan noch „Olé, olé, olé“ anstimmte. Sport-Geschäftsführer Horst Heldt bestätigt: „Sie übernimmt das Frauenteam, das war von Anfang an klar.“

Taktik-wechsel binnen 72 stunden

Taktik-wechsel binnen 72 stunden

Wer glaubt, Eta habe nur Sympathiepunkte gesammelt, hat ihre analytische Schärfe unterschätzt. Innerhalb einer Woche stellte sie Union Berlin um von der gewohnten Dreier- auf eine Viererkette. Das System funktionierte gegen Mainz: Die Null wurde zwar früh gerissen, dafür aber die Räume größer, die Sechser tiefer, die Konter schneller. Der Trainerstab hatte in der Vorbereitung 27 Mainz-Analyse-Videos geschnitten, Eta bestellte acht zusätzliche. „Details entscheiden über Sieg oder Niederlage“, sagt sie. „Gender spielt dabei keine Rolle.“

Die Statistik stimmt ihr zu: Nach ihrer Amtsübernahme Mitte April stieg die Passquote im Spielaufbau von 68 auf 77 Prozent, die Laufleistung um durchschnittlich zwei Kilometer. Zahlen, die man auch einem langjährigen Profi zuordnen würde – nur dass eben keine vorhanden war.

Ein letztes Mal wird sie nun am Samstag im Stadion An der Alten Försterei auf der Kommandobrücke stehen, gegen Augsburg. Danach? „Ich freue mich, mit den Jungs die letzte Woche zu genießen“, sagt sie. Klingt wie ein Abschied, der keiner sein will. Die Fans haben bereits ein Transparent vorbereitet: „Danke, Eta – Du bleibst Teil von Union.“ Ob sie es jemals wieder auf die Bundesliga-Bank schafft, weiß niemand. Aber sie hat’s bewiesen: Das Mauerwerk der Männerdomäne hat Risse bekommen. Und Risse wachsen, wenn man sie pflegt.