Celta fegt atlético weg – plötzlich ist der königskampf wieder offen
Der letzte Atemzug kommt aus Galicien. Nach 16 Jahren schlägt Celta erstmals wieder in Madrid zu, kratzt sich an Atlético die Punkte ab und schickt den Kampf um den fünften Champions-Platz in die Verlängerung. Vier Zähler fehlen noch, der Kalender zeigt nur noch neun. Und das, während ganz Spanien Rayo Vallecano feiert – das kleine Licht aus Vallecas hat mit dem Finaleinzug der Conference League die Mathematik erlegt und der Liga den Bonus startplatz geschenkt.
Ein sieg, der wie ein befreiungsschlag klingt
0:1, 88. Minute, Memphis knallt den Ball unter die Latte, Oblak bleibt hängen. Die rote Wand verstummt, 67.000 werden lautlos. Auf der Gegenseite brüllt Claudio Giráldez sich die Seele aus dem Leib. Sein Team hatte sich seit dem 2:3 gegen Real Madrid Anfang März in eine Schockstarre manövriert: sieben Partien, ein Sieg, Europa-Aus gegen Freiburg, Tabellenrutsch auf Rang zehn. Athletic, Espanyol, Sevilla – nur sie spielten schlechter. Der Vorsprung des Betis schmolz nicht, weil Andalusier und Galicier gleichzeitig strauchelten.
Dann kam Elche. 3:1, erste Galgenstrafe abgewehrt. Und nun das Metropolitano, jener Ort, an dem Celta zuletzt 2006/07 gewann, als noch Juan Carlos I. auf dem Thron saß. Die Zahlen vor Ort: 36 % Ballbesitz, vier Torschüsse, einer sitzt. Mehr braucht es nicht, wenn die Defensive um Jailson und Starfelt jede zweite Hereingabe wegköpft.

Betis spürt den atem im nacken
Die Rechnung ist simpel geworden: Gewinnt Celta die drei verbleibenden Spiele gegen Levante, Athletic und Sevilla, rückt der Betis ans Schafott. Die Quoten haben sich binnen 48 Stunden gedreht – vor zwei Wochen lag der Vorsprung noch bei sieben Punkten, nun sind es vier. Buchmacher kürzen das Wettgeld für einen Galicier-Sprint von 17,00 auf 6,50. Das sagt mehr als jede PR-Floskel.
Der Katalysator heißt Iago Aspas. Der Captain quält sich seit Wochen mit einer Oberschenkelzerrung, spielt aber weiter, weil er spürt, dass diese Saison die letzte echte Chance sein könnte. Gegen Atlético legte er nicht nur den entscheidenden Steilpass, sondern verbrannte zuvor zwei Großchancen. Keiner im Kader schimpft, weil alle wissen: Aspas trägt das Feuer, das den ganzen Verein entzündet.

Der fünfte platz ist kein trostpreis mehr
Rayo hat die Tür aufgestoßen, nun stürzen sich alle. Für den Betis wird die Restserie zur Zitterpartie: Auswärts in Villarreal, dann Real Sociedad, dazu das Finale der Conference League am 29. Mai. Drei Fronten, ein Kader, der sich in den letzten Wochen bereits verausgabt hat. Manuel Pellegrini schwieg nach dem 2:2 in Anoeta länger als sonst. Er weiß, dass seine Mannschaft in den letzten zehn Minuten zwei Punkte verschenkte – und vielleicht den Champions-League-Platz gleich mit.
Celta dagegen reist als Jäger. Kein Druck mehr, nur noch Angriff. Das nächste Spiel in Valencia gegen Levante ist kein Geheimfavorit, sondern ein Endspiel. Gewinnen sie, verkürzen sie auf einen Punkt. Dann winkt am letzten Spieltag ein Sevilla, das sich möglicherweise schon für die Europa qualifiziert hat und rotieren muss. Die Szene in Madrid war der Startschuss, nicht das Ziel. Wer jetzt noch auf Betis setzt, sollte sich fragen, ob er die letzten 180 Minuten wirklich gesehen hat.
