Esport: mut zur identität statt anpassung an ein vermeintliches familienpublikum

Esport und das dilemma der altersfreigaben

Als Klaus Schäfer, leidenschaftlicher Sportexperte und Autor für TSV Pelkum Sportwelt, verfolge ich die Entwicklung des eSports mit großem Interesse. Aktuell diskutiert die Szene intensiv über die Altersfreigaben vieler etablierter Titel. Lange Zeit versuchte der eSport, ein möglichst breites Publikum anzusprechen und sich als familienfreundlich zu präsentieren. Doch ist das wirklich der richtige Weg?

Die realität vieler esport-titel

Die realität vieler esport-titel

Spiele wie Rainbow Six und Counter-Strike sind keineswegs für Grundschüler geeignet. Sie sind kompetitive Spiele für Erwachsene, die anspruchsvolle Strategien und schnelle Reaktionen erfordern. Eine Schönfärberei dieser Tatsache wäre kontraproduktiv. Der eSport sollte den Mut aufbringen, klar zu benennen, was er ist – und was nicht. Es geht um Authentizität und die Akzeptanz der eigenen Identität.

Francois-xavier deniele: ein spiel muss zu seinen regeln stehen

Francois-xavier deniele: ein spiel muss zu seinen regeln stehen

Francois-Xavier Deniele, Vizepräsident Global Esports bei Ubisoft, bringt es auf den Punkt: Ein Spiel muss zu seinen Regeln stehen. Eine Altersfreigabe prägt den Wettbewerb und ist ein wichtiger Bestandteil der Identität eines Titels. Eine Szene sollte sich trauen zu sagen: „Wir sind Rainbow Six. Wir sind eher UFC als Bundesliga.“ Und das ist vollkommen in Ordnung!

Identität statt anpassung: der schlüssel zum erfolg

Identität statt anpassung: der schlüssel zum erfolg

Gute Veranstaltungen leben davon, die Identität des Spiels zu feiern und die spezifische Community anzusprechen. Der Versuch, sich für ein möglichst breites Publikum zu verbiegen, kann kontraproduktiv sein. Nischen können im Gaming riesig sein, da jedes Spiel eigene Werte, Zielgruppen und Grenzen mit sich bringt. Ein eSport-Event sollte diese Aspekte berücksichtigen und nicht versuchen, etwas zu sein, was es nicht ist.

Die unterschiedliche betrachtung in europa

Sebastian Weishaar, Präsident eSports der ESL FACEIT Group, betont, dass die Diskussion um Altersfreigaben in verschiedenen Ländern unterschiedlich geführt wird. In Skandinavien spielen bereits Zehnjährige Titel, die in Deutschland kritisch betrachtet werden. Letztendlich liegt die Verantwortung bei den Eltern, ihre Kinder verantwortungsvoll mit neuen Medien umgehen zu lassen. Die Entwicklung des Marktes zeigt zudem, dass Counter-Strike weiter expandiert, während andere Titel an Bedeutung verlieren.

Esport für jung und alt: vielfalt als stärke

Trotzdem bleibt der Kern bestehen: Es gibt eSport für junge Menschen und eSport für Erwachsene. Beide Bereiche haben ihren Platz und müssen nicht miteinander konkurrieren. Wer Profil zeigt, wirkt authentischer und gewinnt das Vertrauen der Community. Der eSport gewinnt, wenn er aufhört, allen gefallen zu wollen und stattdessen seine Vielfalt klar benennt. Die Authentizität steht im Vordergrund.

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