Erzgebirge aue: kreis rettet veilchen – tarnat darf trotz abstiegsangst neu planen
Der Erzgebirgskreis wirft Erzgebirge Aue ein zweites Mal eine Rettungsleine: Die Stadionpacht von 250 000 Euro für 2026/27 wird gestundet, bei drohendem Abstieg sogar auf 100 000 Euro reduziert. Für Sportchef Michael Tarnat ist das grünes Licht, schon jetzt den Kader für die Zukunft zu bauen – egal, ob 3. Liga oder Regionalliga.
Die kreis-sondersitzung, die niemand wollte
Am Mittwochabend, 1. April, tagte der Kreistag in einer Sondersitzung, die sich wie ein schlechter Scherz anhörte: Der FCE rast mit nur 23 Punkten aus 30 Spielen Richtung Regionalliga Nordost, das Torverhältnis ist mit 28:52 das drittschlechste der Liga. Trotzdem stimmten die Politikern einstimmig für die Pachtstundung. Das Geld fehlt im Etat, das Image der Region auch. Ein Abstieg würde nicht nur sportlich weh tun, sondern das Erzgebirgsstadion um knapp 1 500 Zuschauer pro Heimspiel entlasten – und damit die Gastronomie und den lokalen Einzelhandel. Die Rechnung: 150 000 Euro weniger Pacht, aber dafür 40 Prozent der möglichen DFB-Pokal-Prämien an den Landkreis zurück.

Tarnats plan: alte garde trifft auf rohdiamanten
Während Christoph Dabrowskis Mannschaft am Ostersamstag gegen Hoffenheim II den ersten Liga-Sieg 2026 sucht, sitzt Tarnat bereits an der weißen Tafel seines Büros. Sein Verläuft am Saisonende aus, doch der Ex-Nationalspieler darf jetzt verpflichten. Im Visier: eine Mischung aus erfahrenen Drittliga-Routiniers und U-23-Talenten, die in der Regionallia durchstarten können. Steffen Ziffert, frisch als Chefscout zurückgekehrt, liefert die Listen. Die erste Entscheidung steht an: Halten oder ziehen? Denn wer in der vierten Liga spielt, muss auf Abruf bereit sein – und mit Gehaltsverzicht leben.

Sachsenpokal als rettungsanker mit haken
Am 22. April reist Aue zum Chemnitzer FC. Der Pokal ist mehr als Prestige: Der Sieg bringt 100 000 Euro plus DFB-Pokal-Startgeld. Doch der Landkreis kassiert 40 Prozent. Vereinschef Tarnat nennt das „fairen Deal“, Kritiker sprechen von „Zwangsabgabe“. Fakt ist: Ohne diese Stundung wäre die Lizenz für 2026/27 gefährdet gewesen. Die Uhr tickt. Aue hat acht Spiele, um neun Punkte aufzuholen. Die Wahrscheinlichkeit liegt laut Datenanalyse bei 3,4 Prozent. Trotzdem flüstert niemand mehr vom Aufstieg – nur vom Überleben.
Am Ende zählt eine einzige Frage: Schafft Aue den Klassenerhalt, bleibt Tarnat und der Kreis erhält sein Geld zurück? Verliert das Veilchen die Kategorie, war die Stundung nur ein Aufschub der Insolvenz. Die Antwort folgt am 16. Mai, wenn die Liga den Vorhang zuzieht. Bis dahin zahlt der Landkreis – und hofft, dass die Leidenschaft der Fans stärker ist als die Bilanz.
