Endrick lässt lyon jubeln und madrid zappeln – seine antwort auf rückkehr-frage

Endrick hat Lyon in 18 Spielen sieben Tore und sieben Vorlagen geschenkt, die Fans rufen seinen Namen – und trotzdem weiß der 19-Jährige selbst nicht, wo er im Sommer trainiert. „Ich bin nur für sechs Monate ausgeliehen“, sagte er gestern bei Canal+ Foot und schob ein schulterzuckendes „Weiß ehrlich nicht“ hinterher, als man ihn nach einem Verbleib in Frankreich fragte.

Real madrid hält die karten, lyon darf nicht mitreden

Die Klausel ist gnadenlos: Keine Kaufoption, kein Verlängerungsrecht – nur ein halbjähriger Leihvertrag, der am 30. Juni endet. Lyon will ihn unbedingt behalten, sportliche Leitung und Fans haben den Brasilianer längst zur Ikone erklärt. Doch Florentino Pérez schaut vom Bernabéu-Balkon und wartet auf den Moment, in dem er den nächsten Galáctico nach Hause holt. Endricks Vater Douglas Sousa spart nicht mit Provokation: „Im Real Madrid haben sie ihm den Spielplatz weggenommen. In Lyon hat er ihn zurückbekommen.“

Die Zahlen sprechen für sich: In der Ligue-1-Rückrunde erzielte kein U-20-Spieler mehr Tore, keiner legte mehr auf. Selbst aus der 70. Minute eingewechselt schlug er gegen Brest zwei Mal die Kerze ein – beide Male direkt vor Torabschluss. Trainer Pierre Sage nennt ihn „Sprungfeder und Schrotflinte zugleich“, weil Endrick aus dem Stand heraus 2,70 Meter weite Sprinte startet und Abschlüsse mit über 100 km/h losschickt.

Sprache, leben, liebe – alles passiert in lyon

Sprache, leben, liebe – alles passiert in lyon

„Ich nehme Französisch-Unterricht, Camavinga half mir im Madrid-Team, Mbappé und ich saßen nebeneinander“, erzählte er und klang dabei wie ein Teenager, der gerade merkt, dass die Welt größer ist als São Paulo. Seine Frau Gabriely Miranda war es, die ihn nach Frankreich schubste. „Sie war fundamental“, sagt der Schwiegervater. Das Paar verbrachte die kurze Pause in Marrakesch, doch die Bilder, die er postete, zeigten kein Urlaubsidyll, sondern Leisetreter-Training im Hotelgarten – der Muskelfaserriss Anfang Mai nagt noch.

Die WM im eigenen Land rückt näher. „Wenn er die nächsten Spiele dominiert, ist er dabei“, glaubt Douglas Sousa. Brasiliens Nationaltrainer Dorival Júnior ließ sich in Lyon blicken – kein Zufall. Endrick selbst redet das Thema klein: „Erst Champions League, dann sehen wir weiter.“ Lyon liegt zwei Spieltage vor Schluss auf Rang drei, die Direktqualifikation ist greifbar. Wenn der Klub sie holt, steigt der Druck auf Madrid, den Jungen noch ein Jahr zu lassen.

Die entscheidung fällt nicht in frankreich

Die entscheidung fällt nicht in frankreich

Endrick hat sich längst mit der Machtlosigkeit abgefunden. „Wenn ich zurückmuss, gehe ich gerne. Sollte ich woandershin wechseln, auch.“ Kein Wort des Protests, kein Appell an Pérez – nur die nüchterne Feststellung, dass ein geliehener Spieler eben nie mehr ist als ein Passagier. In Madrid wartet Kylian Mbappé auf seine Nebenmannschaft, in Lyon feiern sie gerade den Brasilianer, der aus dem Nichts kam. Am 30. Juni klingelt der Wecker. Dann entscheidet nicht das Publikum von Lyon, sondern ein Anruf aus der spanischen Hauptstadt.

Endricks letzter Satz im Interview klang wie ein Abschied, der noch keiner ist: „Ich hoffe, wir schaffen die Champions League. Denn dort hingehört Lyon.“ Und vielleicht, das schloss er nicht aus, auch er selbst.