Elohim prandi: der freistoß, der ihn zum star machte – und die frustration danach
26. Januar 2024, Lanxess Arena: 27 Sekunden vor Schluss zieht Elohim Prandi aus 13 Metern durch die schwedische Mauer – Tor, Verlängerung, Finale, Europameister. Ein Schlag, der sein Gesicht in jedes Handball-Hirn brannte. Doch der Mann, der diesen Ball versenkte, hasst das Etikett, das ihm danach angeklebt wurde.
„Ich bin keine wurfmaschine“
Prandi führt die Champions-League-Torschützenliste an – und hasst es. „Es ist frustrierend, wenn man mich nur auf eine Wurfmaschine reduziert“, sagt er im Gespräch mit Eurohandball.com. Klar, er ballert 110 km/h. Aber er will mehr. In Paris hat er sich in der Deckung zur festen Größe gemausert. „Verteidigung ist wie ein einsamer Kampf, eins gegen eins, oft gegen denselben Gegner, gegen den man zuvor geworfen hat. Ein Spiel im Spiel.“
Raul Gonzalez stellte ihn 2020 noch auf Außen ab. „Vielleicht dachte er, ich sei nicht gut genug“, spart Prandi mit Selbstmitleid. Drei Jahre später ist er der erste Name auf Guillaume Gille’s Zettel, wenn’s brennt. Im EM-Finale 2024 warf er den Siegtreffer. „Ich verstecke mich nicht. Ich habe keine Angst zu scheitern.“

Die gene hat er von mama und papa – der rest ist pure wut
Beide Eltern warfen Profi-Handbälle. „Meine Qualitäten kommen nicht von irgendwo“, sagt er trocken. Die DNA liefert die Explosivität, der Rest ist Arbeit gegen das Klischee. Heute liest er Räume schneller, wählt statt zu klopfen, wann er den Gegner wirklich braucht. „Ich bin nicht perfekt, aber ich finde die Balance leichter“, sagt er. Klingt nach Reife, riecht nach Revanche.
Nächste Woche trifft PSG auf Veszprém. Prandi könnte wieder 10 Tore werfen – oder in der Abwehr den entscheidenden Ball klauen. Er wird beides tun. Und trotzdem wird danach wieder jemand fragen: „Wie hart triffst du eigentlich?“ Daran wird er sich noch ein paar Jahre die Zähne ausbeißen. Für uns ist er längst mehr als die Kanone von Köln. Für ihn beginnt der Kampf jeden Tag neu.
