Elfenbeinküste zerlegt südkorea – wm-warnung für deutschland

Minjae Kim wollte Auftaktshow, kassierte stattdessen eine Lehrstunde. Die Elfenbeinküste schoss den Bayern-Verteidiger und sein südkoreanisches Team in Milton Keynes mit 4:0 aus dem Stadion – und schickte drei Monate vor dem WM-Duell mit der DFB-Elf ein lautes Signal Richtung Toronto.

Die zahlen, die nagelsmann aufhorchen lassen

Die zahlen, die nagelsmann aufhorchen lassen

35. Minute: Evann Guessand netzt per Kopf ein. 45+1: Simon Adingra schlenzt aus 18 Metern ins Kreuzeck. 62.: Martial Godo sprintet allein aufs Tor, lässt Kim stehen, vollstreckt eiskalt. 90+4: Wilfried Singo setzt dem Schaulaufen die Krone auf. Statistik? Torschüsse 18:5, Torschuss-Ecke 8:2, Ballbesitz 61 % für die Afrikaner. Südkorea wirkt wie eine Regionalauswahl, die sich verlaufen hat.

Was heute in der Provinz stattfand, kann am 20. Juni im Olympiastadion von Toronto explosive Wucht entfalten. Deutschland trifft dort auf dieselbe Equipe, die gerade bewies, wie leicht sich eine asiatische Defensivwand in Luft auflöst. Julian Nagelsmann wird die Videos studieren – und feststellen, dass Bazoumana Touré, Hoffenheims 19-jähriger Flügelsturm, noch nicht mal eingewechselt wurde.

Die deutsche Gruppe bekommt dadurch ein anderes Gesicht. Ecuador galt als spielerisch trickreich, Curaçao als Debütant mit Sonderstatus. Nun schiebt sich die Elfenbeinküste in die Rolle des athletischen Schocks. Wer vier Tore gegen eine Son-Elf erzielt, auch wenn der Kapitän nur 25 Minuten ran durfte, dem traut man zu, jeden Gegner zu überrennen.

Kim wird die Nacht kaum schlafen. Er verließ München mit dem Anspruch, als Führungsspieler Rückgrat zu zeigen, kehrte mit dem Gefühl zurück, ein halbes Dutzend Mal ausgespielt worden zu sein. Der zentrale Innenverteidiger, den Vincent Kompany für Hochgeschwindigkeitsduelle in der Champions League einplant, sah gegen Adingra & Co. nur noch Rücknummern.

Die WM ist kein Schaulaufen mehr für die deutsche Mannschaft. Sie ist ein Sprint durch drei Kontinente, drei Klimazonen, drei Gegner mit unterschiedlicher DNA. Und einer davon läuft jetzt bereits auf Hochtouren. Die Elfenbeinküste hat Alarm geschlagen – und wer nicht aufpasst, wird weggespült wie Südkorea in Milton Keynes.