Ej onu baut in bamberg eine wand – und spielt beethoven am rande
Ein einziger Schritt, ein Satz, ein Knall. Dann herrscht Stille in der Brose-Arena. EJ Onu steht unter dem Korb, die Arme noch in der Luft, das Handgelenk pocht. Kein Dunk, nur ein Block – und für den 2,11-Meter-Hünen purer Rausch. „Das ist mein Ding“, sagt der Center der Bamberger Baskets. „Ein guter Block ist seltener als jeder Dunking und hinterlässt beim Gegner eine kleine Depression.“
Die mauer von oberfranken zieht nach norden
2,4 Blocks pro Spiel schreibt die Statistik – Distanz zum Zweitplatzierten Charles Thompson aus Würzburg: ein ganzer Block. Die Liga jubelt, die Gegner fluchen. Bamberg hat sich mit Siegen gegen Bayern und Alba Berlin den Pokal gesichert, in der Tabelle klettert man auf Rang drei. Die Konstante: Onus rechte Hand, die wie ein Bahnhofsschalter runterklappt und Züge einfach abweist.
Trainer Anton Gavel nennt ihn „unseren Anker“, doch der Anker selbst schwört auf Timing. „Ich muss die Schwerkraft täuschen“, erklärt Onu. „Springe ich zu früh, bin ich oben, bevor der Gegner den Ball loslässt. Springe ich zu spät, hänge ich in der Luft wie ein nasser Pullover.“ Seine Spannweite von 2,30 Metern tut das Übrige. Da hilft auch kein Pump-Fake.

Vom nba-traum zum klaviertraum
Die Dallas Mavericks unterschrieben ihn 2021, stellten ihn einen Monat später wieder frei. Die NBA blieb ein Foto auf dem Handy. Stattdessen landete Onu in Río Breogán, dann Warschau, nun wieder Bamberg. „Ich bin reifer geworden“, sagt er. „Früher wollte ich jeden Ball blocken. Heute lasse ich manchen lieber durch, weil ich weiß, dass mein Kumpel dahinter den Rebound sichert.“
Doch es gibt noch einen anderen Traum. Nach dem Training sitzt der Shot-Blocker am Klavier, spielt „Für Elise“ mit riesigen Fingern, die eigentlich für Basketball gemacht scheinen. „Ich suche einen Lehrer in Bamberg, aber die meigen fliegen raus, wenn sie meine Hände sehen“, lacht er. „Beethoven war ein Perfektionist. Ich auch. Deshalb übe ich jeden Tag eine halbe Stunde. Wer weiß, vielleicht kriege ich irgendwann beide Takte hin – ohne Fehler und ohne Fouls.“
Sein Vertrag läuft im Sommer aus. Angebote werden kommen. Onu aber denkt nicht an Geld, sondern an Spalten. „Wir können die Play-offs rocken. Bayern in einer Serie? Kein Problem, wenn wir unsere Defense auf dem Parkett lassen.“ Dann packt er seine Tasche, schultert das Keyboard und geht Richtung Ausgang. Ein letzter Satz bleibt hängen: „Blocks gewinnen Spiele, Dunkings nur YouTube-Klicks.“