Eiskunstlegende sonja henie: mehr als nur dreifache olympia-siegerin
Vor 114 Jahren erblickte die Welt eine Athletin, deren Name untrennbar mit dem Eiskunstlauf verbunden ist: Sonja Henie. Ihre Erfolge sind legendär, ihr Einfluss auf den Sport immens. Doch hinter dem glitzernden Mythos einer „Eiskönigin“ verbarg sich eine komplexe Frau, deren Leben von Triumph, Kontroversen und einem unstillbaren Durst nach Erfolg geprägt war.
Die tochter eines bahnrad-weltmeisters
Am 8. April 1912 wurde Sonja Henie in Oslo geboren. Ihr Vater, Wilhelm Henie, war nicht nur erfolgreicher Pelzhändler, sondern auch Bahnrad-Weltmeister und Eisschnellläufer – eine beeindruckende sportliche Vita, die zweifellos junge Sonja inspirierte. Bereits als Elfjährige wagte sie den Schritt auf die internationale Bühne, debütierte bei den Olympischen Spielen in Chamonix. Der Wettkampf kam allerdings zu früh: Überliefert ist ein unglücklicher Moment, als sie während der Kür den Faden verlor und ihren Trainer um Rat fragen musste – und mit einem unglücklichen „Hoppla“ einen despektierlichen Spitznamen erhielt.
Vom „Fräulein Hoppla“ zur unangefochtenen Herrin des Eises: Henies Karriere nahm rasant Fahrt auf. Nach der Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft 1926 dominierte sie den Eiskunstlauf für fast ein Jahrzehnt. Die Triumphe bei den Olympischen Spielen 1928 in St. Moritz (mit nur 15 Jahren!), 1932 in Lake Placid und 1936 in Garmisch-Partenkirchen machten sie zur ersten und bis heute einzigen Eiskunstläuferin, die drei olympische Goldmedaillen in Folge gewann. Ein athletischer Triumph, der bis heute nichts übertrifft!

Die nähe zum ns-regime: ein dunkles kapitel
Der dritte Olympiasieg fiel in ein besonders brisantes Jahr: 1936, als die Spiele in Garmisch-Partenkirchen von den Nationalsozialisten inszeniert wurden. Henie, die mit ihrer blonden Erscheinung perfekt in das NS-Rassenideal passte, wurde von Hitler persönlich mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Ihre darauf folgenden Besuche auf dem Berghof in Obersalzberg, wo sie mit ihrer Familie zu Gast bei Hitler war, warfen lange Schatten auf ihren Ruf. Viele Norweger vergaßen ihr nicht, die Nähe zum Regime zu suchen – eine Entscheidung, die bis weit nach Kriegsende für Kontroversen sorgte.

Hollywood-karriere und millionenverdienst
Doch Henie war nicht nur eine außergewöhnliche Sportlerin, sondern auch eine kluge Geschäftsfrau. Nur wenige Monate nach ihrem Olympiasieg in Garmisch unterschrieb sie einen lukrativen Vertrag bei 20th Century Fox und startete eine erfolgreiche Hollywood-Karriere. Sie bestand auf ihrem Namen im Filmtitel und erhielt eine Gage von 125.000 Dollar – ein astronomischer Betrag für die damalige Zeit. Zwischen 1937 und 1948 entstanden zwölf erfolgreiche Eisrevue-Filme, die sie selbst choreografierte und in denen sie die Hauptrolle spielte. Der Film „One in a Million“ katapultierte sie endgültig zum Star, und ihre anspruchsvolle Art im Umgang mit Produzenten wie Darryl F. Zanuck zeugt von ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Durchsetzungsfähigkeit.
Die „Pawlowa des Eises“, wie sie aufgrund ihrer anmutigen Bewegungen genannt wurde, revolutionierte den Eiskunstlauf und schuf ein neues Geschäftsmodell: Sie verdiente Millionen mit ihrem Können und ihrem Talent, lange bevor der Begriff „Sportler-Marketing“ überhaupt in Mode kam. Ihr Leben war geprägt von Affären mit Stars wie Joe Louis und Tyrone Power, ein Spiegelbild ihrer emanzipierten Persönlichkeit in einer Zeit, in der Frauen in der Öffentlichkeit oft mitunter in ein enges Korsett gepresst wurden.
Nach ihrem Tod im Oktober 1969, im Alter von nur 57 Jahren, sorgte ihre Biografie für Aufsehen und zeichnete ein facettenreiches Bild einer Frau, die ihren Erfolg um jeden Preis verfolgte. Ansgar Molzberger beschrieb es treffend: „Beim Mann hätte man vielleicht gesagt, er hat seine Karriere vorangetrieben, und im Frauenbild der damaligen Zeit wird dann gesagt, das ist aber mit Ellbogen und rücksichtslos.“ Sonja Henie hinterließ ein Vermächtnis, das weit über ihre sportlichen Leistungen hinausgeht – ein Vermächtnis der Stärke, des Ehrgeizes und der unbedingten Hingabe an das eigene Talent.
