Eiskunstlegende sonja henie: vom 'häseken' zur hollywood-diva
Vor 114 Jahren erblickte die Welt eine Athletin, deren Leistungen den Eiskunstlauf für immer prägten: Sonja Henie. Ihre Erfolge sind legendär, ihre Karriere ebenso wie ihr Leben voller Kontroversen und Intrigen. Doch was machte diese norwegische Ausnahmeathletin aus, und welche Schatten begleiteten ihren strahlenden Ruhm?
Die frühen jahre: vom pelzhändler-sohn zum wunderkind
Wilhelm Henie, der Vater von Sonja, war selbst ein erfolgreicher Bahnradfahrer und Eisschnellläufer. Es ist kaum überraschend, dass er seine Tochter früh in die Welt des Eiskunstlaufs einführte. Bereits als elfjährige Debütantin in Chamonix bei den Olympischen Spielen 1924 zeigte Sonja Ansätze ihres außergewöhnlichen Talents – auch wenn der Wettkampf noch zu früh kam. Ein Sturz und der despektierliche Spitzname „Fräulein Hoppla“ sollten ihr anfangs zur Last fallen.
In Berlin wurde sie bald darauf als „Häseken“ verspottet, ein Name, der sich aus einem missglückten Auftritt im Sportpalast ableitete. Doch aus dem vermeintlichen Pechvogel sollte eine unaufhaltsame Siegerin werden.

Dominanz auf dem eis: drei olympiasiege und eine ära
Von 1926 bis 1936 dominierte Sonja Henie den Eiskunstlauf wie kaum eine andere Athletin zuvor. Zehn Weltmeistertitel, sechs Europameistertitel – ihre Bilanz ist schlichtweg unschlagbar. Der Triumph bei den Olympischen Spielen 1928 in St. Moritz machte sie zur jüngsten Winterolympionistin ihrer Zeit, ein Rekord, der lange Bestand hatte.
Die Spiele von 1936 in Garmisch-Partenkirchen, ausgetragen unter der Ägide des NS-Regimes, markierten einen weiteren Höhepunkt in ihrer Karriere. Der Applaus von Adolf Hitler persönlich, der ihr die Goldmedaille um den Hals legte, war jedoch ebenso umstritten wie die Nähe, die Henie zum Regime pflegte. Zu Einladungen auf den Berghof in Obersalzberg gehörten auch Geschenke und eine sonderbare Vertrautheit, die bis heute Fragen aufwirft.

Hollywood-karriere und ein leben im rampenlicht
Doch Sonja Henie war mehr als nur eine Eiskunstläuferin. Nur wenige Monate nach ihrem dritten Olympiasieg wagte sie den Sprung ins Filmgeschäft. Mit einem lukrativen Vertrag bei 20th Century Fox wurde sie über Nacht zu einer der bestbezahlten Schauspielerinnen Hollywoods. Ihr Name prangte bereits auf dem Titel ihres ersten Films, ein Zeichen ihres unermesslichen Selbstbewusstseins und ihrer Geschäftstüchtigkeit.
Zwölf erfolgreiche Eisrevue-Filme entstanden in den folgenden Jahren, ein Zeugnis ihrer Kreativität und ihres Könnens. Ihre Affären mit Stars wie Joe Louis und Tyrone Power sorgten für Schlagzeilen und trugen zu ihrem mythischen Status bei. Ihre Biografie, „Queen of Ice, Queen of Shadows“, enthüllte nach ihrem Tod 1969 eine dunkle Seite: eine Besessenheit von Geld und Erfolg, die sie zu skrupellosen Taten veranlasst haben soll.
Doch Ansgar Molzberger beschreibt im Deutschlandfunk ein differenzierteres Bild: „Beim Mann hätte man vielleicht gesagt, er hat seine Karriere vorangetrieben, und im Frauenbild der damaligen Zeit wird dann gesagt, das ist aber mit Ellbogen und rücksichtslos.“ Eine Aussage, die die Ambivalenz von Sonja Henies Leben eindrücklich zusammenfasst.
Am 12. Oktober 1969, im Alter von nur 57 Jahren, erlag Sonja Henie in einem Flugzeug, auf dem Weg in ihre norwegische Heimat, einer Leukämie. Sie hinterließ ein Vermächtnis aus Glanz, Triumph und Kontroversen – ein Vermächtnis, das bis heute nachwirkt. Ihr Grab auf einem Hügel in Oslo, nahe dem Henie Onstad Kunstsenter, ist ein Ort der stillen Kontemplation über das Leben einer außergewöhnlichen Frau, die den Eiskunstlauf revolutionierte und Hollywood im Sturm eroberte. Die Zahl ihrer Titel mag beeindrucken, doch der Preis, den sie dafür zahlte, bleibt eine Mahnung an die Komplexität des Ruhms.
