Eishockey-wm: traumstart zerplatzt – viertelfinale in weite ferne?
Zürich – Der Debüt-Auftritt der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft bei der WM 2026 in Zürich gleicht einem Albtraum. Nach zwei katastrophalen Niederlagen zum Turnierbeginn wackelt das Viertelfinalticket bedenklich. Die Stimmung im Lager des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) ist gedrückt, und Bundestrainer Harold Kreis sprach nach der 0:2-Pleite gegen Lettland offen von “tiefer Enttäuschung”.
Offensive im formtief: gudlevskis macht es zu einfach
Die Bilanz nach den ersten beiden Spielen ist erschreckend: null Punkte, nur ein Tor in 120 Minuten Spielzeit und drei Gegentore in vier Unterzahlsituationen. Die deutsche Offensive wirkt wie gelähmt. Kreis kritisierte, dass seine Spieler dem Bremerhavener DEL-Torhüter Kristers Gudlevskis “zu einfach” gemacht hätten. “Wir hatten keinen Verkehr vor dem Tor”, so der Bundestrainer.
Ein Blick auf das erste Gegentor durch Martins Dzierkals (19.) verdeutlicht das Problem: Philipp Grubauer, der erfahrene NHL-Goalie, schien völlig überrascht und konnte die Scheibe nicht kontrollieren. Kreis bemängelte, dass die Mannschaft zwar “wirklich viel Zeit in der Offensivzone verbracht”, aber keinen Ertrag daraus ziehen konnte. Die Letten zeigten hingegen, wie es geht: ein schneller Angriff, ein präziser Schuss, und die deutsche Abwehr war entscheidend.

Special teams: eine katastrophe
Aber nicht nur die Offensive hat Probleme. Die “Special Teams” produzieren alarmierende Werte. In 14 Minuten Powerplay gelang dem DEB-Team kein einziger Treffer, trotz des Einsatzes von Joshua Samanski und Lukas Reichel. Im direkten Vergleich: Bei deutscher Unterzahlsituation trafen die Gegner in drei von vier Fällen – wie gegen Lettland durch Rudolfs Balcers (25.). Diese erschreckende Powerplay-Quote von null Prozent ist nicht nur der letzte Platz unter den 16 WM-Teams, sondern auch ein Spiegelbild der fehlenden Durchschlagskraft und des mangelnden Systems im deutschen Spiel.
Es ist kein Mangel an Verständnis für das Spielsystem, betonte Kreis, “glaubt mir, die Jungs sind am meisten frustriert”. Das Problem liege vielmehr darin, dass die Spieler “die gute spielerische Lösung suchen, anstatt einfach aufs Tor zu ballern und die Unterzahlsituation zu nutzen.” Ein fataler Ansatz, der dem Team derzeit die entscheidenden Tore und Punkte verwehrt.

Die rest-turnier: nur ein wunder hilft?
Die Lage ist ernst. Um das Viertelfinale zu erreichen, müssen die deutschen Spieler gegen Österreich, Ungarn und Großbritannien gewinnen – und das ist bei der aktuellen Leistung kaum vorstellbar. Vielmehr benötigen sie einen Sieg gegen den Gastgeber Schweiz (Montag, 20.20 Uhr) oder den amtierenden Weltmeister und Olympia-Sieger USA (Mittwoch, 20.20 Uhr). Die kommenden Spiele werden zeigen, ob die deutsche Mannschaft in der Lage ist, sich zu fangen und den Traum vom Viertelfinale doch noch wahr werden zu lassen. Die Zeit drängt, und die Ansprüche sind hoch. Die Fans fordern Antworten, und die Mannschaft muss liefern – sonst ist die WM 2026 für Deutschland bereits frühzeitig beendet.
