Eisenach stoppt leipzigs makel: derby-remis wirft thüringer raus aus der krise
Ein Pfiff, ein Aufschrei, 29:29 – und plötzlich atmet der ThSV Eisenach wieder. Im Leipziger Hexenkessel gelingt dem Tabellenletzten das, was ihm in dieser Saison noch niemand zutraute: der erste Auswärtspunkt. Den holt sich Sebastian Hinzes Mannschaft mit einer Mischung aus purem Kampf und der Erkenntnis, dass Untätigkeit hier nichts kostet – und alles bringt.
Der trainer, der betete, und die hintermannschaft, die plötzlich traf
„Ich habe in der Kabine gebetet, dass wir nicht wieder mit leeren Händen dastehen“, sagt Hinze nach dem Abpfiff. Die Gebete halfen, doch der Coach weiß: Glück ist nur die halbe Wahrheit. Drei Tore lag Eisenach in der Schlussphase zurück, doch statt einzuknicken, riss Tim Wagenknecht die Partie an sich. Zwei Kreisläufer-Tore in 67 Sekunden, dann der Ausgleich durch Lukas Binder – 28:28, 60. Minute. Leipzig ist sichtlich irritiert, Trainer André Haber schreit sich die Seele aus dem Leib, doch seine Anweisungen verpuffen im Getöse der Arena.
Die letzte Attacke gehört Eisenach. Moritz Ehlert tankt sich durch die Mittelblockade, zieht ab – Pfosten! Der Rückprall landet bei Justus Weiß, der querlegt. Binder nimmt den Ball volley, trifft aber nur das Außennetz. 29:29 – mehr war nicht drin, aber auch nicht weniger.

Die leipziger scharte und die eisenacher psychotherapie
Für Leipzig ist das Remis ein Mikro-Kratzer im sonst makellosen Saisonstart. Die Sachsen bleiben zwar ungeschlagen, doch plötzlich wirkt die Maschine rauer. Christian Dissinger trifft zwar sieben Mal, verliert aber fünf Ballverluste – so viele wie in den drei vorangegangenen Spielen zusammen. „Wir haben unsere Cleverness verloren“, hadert Haber. „Eisenach hat uns die Räume zugemauert und wir haben trotzdem reingelaufen.“
Bei den Gästen hingegen löst der Punkt eine Kettenreaktion aus. Nach fünf Auswärtspleiten in Serie schmilzt der Druck wie Schnee in April. „Der Kopf ist frei“, sagt Kapitän Finn Lukas Kais. „Wir wussten, dass wir Leipzig ärgern können. Jetzt wissen wir auch, warum wir es können: Weil wir 60 Minuten lang an uns glauben, selbst wenn’s weh tut.“

Die lange reise nach hause und die tabelle, die lügt
Der Bus rollt erst um 23.07 Uhr Richtung A 4. Die Stimmung ist ausgelassen, irgendwo hinten klingelt eine Guitarre. Eisenach rutscht auf Platz 17, doch das interessiert keinen. „Die Tabelle lügt bis Weihnachten“, sagt Hinze. „Was zählt, ist, dass wir endlich wieder Punkte sammeln und nicht mehr nur Sätze über Moral.“
Am kommenden Samstag kommt der TVB Stuttgart in die Wartburghalle. Die Schwaben gelten als Aufstiegskandidat, doch nach diesem Derby wollen die Thüringer nicht mehr nur zuschauen. „Wenn wir so auftreten wie heute, können wir jeden schlagen“, sagt Kais. Keine Frage, kein Pathos – nur die Gewissheit, dass der Knoten endlich geplatzt ist.
