Ein blech weg, die wm weg – puertas’ traum platzt an der schweizer strenge

2019 fuhr er ohne Nummernschild. 2026 fehlt er vielleicht in Katar – oder wo auch immer die WM stattfindet. Cameron Puertas, Werders Ballersatz im Mittelfeld, wird wegen eines vergessenen Papierchens aus seiner Jugend die Endrunde mit der Schweiz verpassen. Die Einbürgerung, die ihn nominierbar machen würde, ist bis 2029 blockiert.

Ein eintrag, der alles verzögert

Der Fall klingt wie ein Verwaltungswitz, ist aber bittere Realität. Puertas, in Lausanne geboren, besitzt nur den spanischen Pass. Die schweizerische Staatsbürgerschaft wollte er nachholen – und stieß auf Paragraf 13 des Bürgerrechtsgesetzes: Wer straffällig wurde, wartet zehn Jahre. Der Vorwurf: „Fahrens ohne vorschriftsgemäße Zulassung“, ein Eintrag, der 2025 zwar gelöscht wird, aber als Einbürgerungsbremse weiter wirkt. Der SFV bestätigte gegenüber Keystone-SDA, dass ein Antrag auf Verkürzung abgelehnt wurde.

Puertas selbst klingt, als hätte er die Geschichte längst innerlich abgehakt. „Es ist sehr ärgerlich, aber ich kann es nicht mehr ändern und sehe es als Teil meiner Geschichte“, sagte er bei der Medienrunde, die Werder eigentlich zur Vorstellung seines neuen Zweikampfmonsters hatte abhalten wollen. Stattdessen wurde aus der PK eine kleine Therapiesession.

Thioune schwärmt, die noten stottern

Thioune schwärmt, die noten stottern

Auf dem Platz lief es zuletzt besser. Unter Daniel Thioune rückte der Leihspieler von Al-Qadsiah FC in den 4-3-3-Doppelsechs-Raum, lief fünfmal hintereinander von Anfang an, bereitete in Berlin das 2:1 vor. Thioune schwärmt: „Er lässt sein Herz auf dem Rasen, geht Meter um Meter, auch zurück.“ Die Statistik dagegen nagelt ihn auf 4,06 im kicker-Schnitt fest – ein Wert, der eher zur 2. Mannschaft einlädt als zur Nationalmannschaft.

Die WM 2026 ist damit gestorbt, 2030 soll der neue Horizont werden. Dann wäre Puertas 31 Jahre alt, ein Alter, in dem Mittelfeldstrategen eher reifer werden. Ob er bis dahin noch in Bremen kickt, ist offen. Die Kaufoption liegt bei 3,5 Millionen Euro – ein Betrag, den Werder nur zahlt, wenn sich sportlich und finanziell die Wolken lichten.

Am Sonntag gegen Bochum wird er wieder laufen, weiterhin ohne Schweizer Kreuz auf dem Arm, aber mit dem spanischen Adler im Herzen. Und mit der Gewissheit, dass ein einziges Blech vor sechs Jahren mehr beeinflusst hat als jede Zweikampfquote.