Ehc biel trennt sich von jere sallinen – ende einer temperamentvollen ära

Die Bombe platzte still und heimlich: Jere Sallinen ist kein Bieler mehr. Nach vier Jahren, in denen der Finne mit seiner Mischung aus rauer Schlittschuhbahn und spielerischer Raffinesse die Seeländer prägte, verabschiedet sich der Club von seinem Import-Stürmer. Die Trennung wirkt auf den ersten Blick überraschend, doch intern sickerte seit Wochen durch: Die Chemie stimmte nicht mehr.

Ein verkauf, der längst überfällig war

Die offizielle Version liest sich brav: „Wir danken Jere für seine Professionalität und seine Leidenschaft.“ Doch hinter den Kulissen brodelte es. In der Kabine galt Sallinen als laut, fordernd, manchmal selbstgerecht. Nach 45 Spielen und 22 Punkten in dieser Saison war die Luft raus. Die sportliche Leitung um General Manager Martin Steineggersignalisierte schon nach der 0:5-Klatsche gegen Zug, dass man „frischen Wind“ brauche. Der Wind trägt nun finnischen Akzent – weg aus Biel.

Die Zahlen lügen nicht: Sallinens stärkste Saison war 2022/23 mit 45 Scorerpunkten in 68 Partien. Seitdem ging es bergab. In dieser Spielzeit verpasste er zwölf Spiele wegen einer Adduktorenverletzung, seine Plus/Minus-Bilanz fiel auf minus 8. Für einen Top-6-Stürmer, der 850‘000 Franken kostet, zu wenig. Der Vertrag lief ohnehin aus, Verlängerungsgespräche platzten schon im Februar. Die Entscheidung folgt der harten Logik des Kaders: Jünger, schneller, günstiger.

Was sallinen hinterlässt – und wer seine lücke füllt

Was sallinen hinterlässt – und wer seine lücke füllt

Ohne ihn fehlt ein PK-Spezialist und ein Mann, der in der Kabine auch mal die Schellen klatschte. Die Youngsters Julian Mettler und Livio Truog sollen nun stürmen, was die Beine hergeben. Doch sie bringen nicht Sallinens Erfahrung aus 180 NL-Playoff-Minuten mit. Intern strebt Biel einen zweiten Import-Stürmer an, Namen wie Teemu Hartikainen oder Markus Granlund kursieren. Die Budget-Lücke beträgt rund 300‘000 Franken – genug, um einen echten Impact-Player zu verpflichten.

Für Sallinen geht es zurück in die Liiga. Kärpät Oulu und Tappara Tampere sollen bereits angeklopft haben. Sein Berater Juuso Pulliainen bestätigt: „Jere möchte wieder Meister werden, das lässt sich in Biel nicht mehr verwirklichen.“ Die emotionale Seite? Ein Koffer voller Trikots, ein Abschiedsfoto vor dem Tissot Arena und ein kurzer Satz auf Instagram: „Merci Biel – war schön, war echt, war intensiv.“

Die Botschaft an die Fans: Der EHC Biel schreibt um 19 Uhr eine offizielle Pressekonferenz, auf der Cheftrainer Kevin Schlaepfer erklärt, warum man auf Kontinuität verzichtet. Die Antwort liegt auf dem Eis: Ohne Sallinen stehen die Seeländer aktuell auf Platz 7 – das Playoff-Ticket ist noch längst nicht gebucht. Die Trennung ist kein Ritterschlag, sondern ein kalkuliertes Risiko. Die nächsten zehn Spiele entscheiden, ob Biel mutig oder blind handelte.