Yakin zerreißt die abwehr-checkliste: britschgi rast auf wm-gleise

Die Nati-Chronistin ist noch warm vom Drucker, da schon der nächste Paukenschlag: Murat Yakin lässt die Marschrichtung erkennen – acht Verteidiger, vielleicht nur sieben, wenn Zakaria im Notfall in die Dreierkette rutscht. Der Countdown läuft, das WM-Formbarometer tickt. Wer sich jetzt versteckt, fliegt raus.

Sascha Britschgi hat sich noch nie versteckt. Der 19-Jährige spielt in Parma nicht nur mit, er spielt durch: fast 2.000 Serie-A-Minuten, kein anderer Schweizer Teenager kommt da ran. Yakin notiert. Still. Geheim. Und plötzlich steht der Luzerner auf der Shortlist für den Rechtsverteidiger-Slot, den bisher nur Silvan Widmer ganz sicher besetzt. Keine Altherren-Geschichte, sondern ein Konter aus der Zukunft.

Die festplatten sind voll – akanji und elvedi liefern die rohdaten

Manuel Akanji wird in den USA seine fünfte Endrunde bestreiten, 18 WM-Spiele, keine einzige Minute verpasst – ein Server, der nie abschmiert. Daneben Nico Elvedi, bald Sechsfach-Teilnehmer, nach seiner EM-Tiefphase wieder hochgefahren wie ein Software-Update. Beide sind gesetzt, beide sind das Gerüst, an dem Yakin bastelt.

Ricardo Rodriguez bringt die 135 Länderspiele mit, plus die Erfahrung von 26 Turnier-Startelfeinsätzen in Folge. Links außen ist er nicht nur Option, er ist Default. Wer ihn verdrängen will, muss mehr bieten als gute Tage – Miro Muheim versucht es mit Hamburger Captain-Armbinde und Nordlicht-Charisma. Sechs Länderspiele, Tendenz steil.

Freie plätze, heiße eisen: jaquez und amenda duellieren sich

Freie plätze, heiße eisen: jaquez und amenda duellieren sich

Luca Jaquez musste erst die Nase richten, dann den Oberschenkel. Jetzt läuft er wieder auf Vollgas bei Stuttgart – und direkt in Yakin’s Blickfeld. Parallel dazu poliert Aurele Amenda bei Eintracht Frankfurt seine Kopfball-Statistik. Beide 22, beide hungrig, nur ein Platz frei. Das Duell entscheidet sich nicht im Trainingszentrum, sondern in den nächsten Bundesliga-Wochen. Wer stolpert, fliegt raus.

Hinter den beiden warten die Jäger: Becir Omeragic kehrt in die Super League zurück, will beim FCB endlich Dauerbrenner werden. Eray Cömert trommelt in Valencia, Cedric Zesiger profitiert beim FC Augsburg von der Verletzung eines Kollegen. Alle drei wissen: Ein März-Testspiel-Tor ist schön, aber Yakin zählt erst Mai-Einsätze.

Rechts außen wird’s eng – britschgi gegen die verletzten-und-verliehen-kolonne

Rechts außen wird’s eng – britschgi gegen die verletzten-und-verliehen-kolonne

Zachary Athekame trägt beim AC Milan zwar 21 Spiele, aber nur 496 Minuten – Statistikpoker. Isaac Schmidt schippert in Bremen, Leonidas Stergiou fasst sich an die Wade, Jordan Lotomba an den Schienbeinbruch. Die Liste der Verpassten ist länger als die der Belegten. Da wirkt Britschgi’s Serie-A-Bilanz wie ein Fels in der Brandung. Yakin liebt Felsen.

Links hinten könnte Ulisses Garcia mit Sassuolo-Spielflüssen Muheim ärgern, doch der Hamburger bleibt dank Leadership-Bonus vorn. Die Frage ist nur: wie viele Linksverteidiger braucht ein Turnier, das in den USA auf Kunstrasen rollt? Antwort: maximal zwei. Der Rest schaut zu oder fliegt heim.

Der schnitt kommt im mai – kein platz für sentimentalität

Der schnitt kommt im mai – kein platz für sentimentalität

Yakin wird 26 Namen nennen, acht Verteidiger oder weniger. Wer bis zum letzten Liga-Spieltag nicht topfit ist, verabschiedet sich selbst. Die Tore in Köln und Oslo sind Probedrucke, die Rohfilme. Der Finalcut folgt am 21. Mai. Dann bleibt kein Platz für „vielleicht“. Britschgi weiß das. Er spielt einfach weiter – Minute um Minute, Liga um Liga, bis die Nati ihn nicht mehr ignorieren kann.