Dzeko-aus: schalke wehrt sich gegen zweitliga-sperre und zieht vor dfb-gericht
Edin Dzeko muss zwei Spiele pausieren – das sagt der DFB. Schalke 04 sagt: „Quatsch.“ Und legt sofort Einspruch ein. Die Königsblauen wollen ihren Torjäger zurück, bevor die Zweitliga-Meisterschaft aus den Fugen gerät.
Warum schalke die rote karte für „lau“ hält
Die Szene klingt harmloser als ihre Folgen: 52. Minute gegen Hannover, Dzeko und Chakroun rangeln um Position, ein Bein rutscht aus, trifft den Gegner am Oberkörper. Schiedsrichter Patrick Ittrich zückt Rot, Videoassistent bestätigt. Für das DFB-Sportgericht ist das „rohes Spiel“, also mindestens zwei Spiele Sperre. Frank Baumann, Sportvorstand der Knappen, kontert: „Keine rücksichtslose Gesundheitsgefährdung.“ Übersetzt: Unfall, keine Kriegserklärung.
Die Argumentationslinie der Schalker ist simpel, aber gefährlich für den Verband. Sie berufen sich auf eine Handvoll vergleichbarer Fälle aus der laufenden Saison, in denen nur ein Spiel ausgesetzt wurde. Die Rechtsabteilung um Justiziar Dr. Marc-Oliver Schäfer hat die Paragrafen schon sortiert, das Eilverfahren läuft. Ein Urteil könnte noch vor dem Darmstadt-Auswärtsspiel fallen, theoretisch winkt eine Aufschiebung.

Precise zahlen, heikle lage
Ohne Dzeko hat Schalke in dieser Saison nur 33 Prozent der Punkte geholt – mit ihm 68. Die Differenz ist kein statistischer Zufall, sondern der Beweis, wie sehr der 37-Jährige die Spielweise der Aufstiegskandidaten trägt. 17 Tore, 8 Vorlagen, unzählige Laufduelle gewonnen. Gegen Darmstadt und Karlsruhe fehlt jetzt die Fixpunkt im Strafraum, dazu fällt Terodde weiter aus. Trainer Karel Geraerts musste in der Trainingseinheit am Dienstag schon mit einer Doppel-Spitze aus Pieringer und Möller Daehli experimentieren – ein Szenario, das in der Arena auf der Königsblauen steht.
Die Sperre trifft den Klub auch finanziell. Ein Heimspiel ohne Top-Stürmer kostet rund 800 000 Euro Eintritts- und Catering-Einnahmen, sollten sich Fans spontan umentscheiden. Dazu kommen mögliche Fernsehgelderinbußen, falls der Tabellenführer stolpert und die Duelle um die Live-Plätze verliert. Die Geschäftsstelle rechnet intern mit einem Schaden von bis zu 1,5 Millionen Euro, sollte die Sperre Bestand haben.

Dfb-gericht steht unter druck
Das Problem für den DFB: Die Begründung des Einzelrichters klingt selbst für juristische Laien dünn. Weder Studiobilder noch Beweisvideos zeigen eine überschüssige Gewaltanwendung, der Tritt war nicht durchgedrückt, Chakroun konnte weiterspielen. Wenn Schalke vor Gericht zieht, muss der Verband beweisen, dass Dzekos Aktion jenseits der Norm lag. Das kann nach hinten losgehen – und ein Präzedenzfall wäre geschaffen.
Die Richter um Vorsitzenden Hans-Erich Lorenz wissen: Jede Reduzierung der Sperre würde ihre eigene Einstufung untergraben. Deshalb dürften sie hart bleiben, es sei denn, Schalke liefert neue Kamerawinkel oder medizinische Gutachten. Die Frist läuft am Donnerstag um 15:00 Uhr ab. Dann entscheidet sich, ob Dzeko am Wochenende in Darmstadt mit dem Teambus fährt oder in der Arena-VIP-Loge sitzt.
Für Schalke geht es um mehr als zwei Spiele. Es geht um den Aufstieg, um 40 Millionen Euro Bundesliga-Einnahmen, um das Selbstbild eines Traditionsklubs, der sich nicht klein kriegen lassen will. Die Fans singen bereits „Edin wird nie untergehn“ – ihre Stimme könnte laut genug sein, um das DFB-Gericht zu erreichen. Entscheidend wird sein, ob die Argumente der Knappen genauso überzeugend klingen wie ihre Kurvengesänge. Die Uhr tickt. Die Saison auch.
