Gislason warnt vor ägypten: „die knallen aus zehn metern löcher in die wand“

43 Tage nach dem EM-Silber trifft der DHB-Kader nicht auf einen Aufbaugegner, sondern auf den afrikanischen Turbo. Alfred Gislason zieht schon vor dem ersten Ballwurf die Notbremse: „Wenn wir hier schlafen, fliegen wir raus.“

Warum ägypten kein testspiel, sondern ein seismograph ist

Die Zahlen sind ein Affront. 62 Treffer warfen die „Pharaonen“ bei der letzten WM gegen Frankreich, 35 davon aus dem Rückraum. Gislason hat die Videos geschnitten, die Laptops qualmen. Sein Fazit fällt knapp: „Die knallen aus zehn Metern Löcher in die Wand.“ Es klingt nach Boxen, passt zur Physik dieses Gegners. 1,96 m misst Linkshänder Hassan Kaddah, 110 kg bringt Kreisläufer Mohamed Mamdouh auf die Waage. Beide laufen an diesem Donnerstag (18.15 Uhr, Westfalenhalle) auf, und niemand im deutschen Lager redet von Rotation.

Die Personalie heißt Stabilität. 14 Medaillenhelden aus Dänemark sind mit an Bord, nur vier Akteure dürfen durchatmen – Andreas Wolff, Nils Lichtlein, Rune Dahmke, Lukas Zerbe. Für sie springen Tim Freihöfer, Timo Kastening und der 20-jährige Lasse Ludwig ein. Letzterer steht kurz vor seinem Debüt, hat aber schon den EM-Final-Kader mittrainiert. Gislason nennt das „Konkurrenz ohne Netz“. Wer schwächelt, fliegt – so einfach ist die Mathematik im Olympia-Jahr.

Die Westfalenhalle wird zum Thermometer. 11.000 Tickets weg, schwarz-rote Welle. Der Verband experimentiert mit einer „Powerbank“-Tribüne, die nur Jugend-Tickets verkauft – 15 Euro, inklusive Schlagzeug-Block. Gislasons Kommentar dazu: „Wenn die Kids morgen Hasselhoff singen, sing ich mit, Hauptsache Lärm.“

Rasmus ankermann darf schnuppern, nichts mehr

Rasmus ankermann darf schnuppern, nichts mehr

Ein Name fliegt unter dem Radar: Rasmus Ankermann. Der 19-jährige Kieler Weltmeister von 2023 trainiert mit, darf aber nicht spielen. „Er bekommt eine Woche Premium-Lehre, dann geht’s zurück zur U19“, sagt Gislason. Die Botschaft ist klar: Wir schauen auf die nächste Generation, aber nur, wer jetzt liefert, fliegt nach Paris.

Die Statistik? Zweischneidig. Deutschland gewann die letzten drei Pflichtspiele gegen Ägypten – aber nur mit einem Tor Differenz. Das letzte Aufeinandertreffen datiert auf Olympia 2021, 29:25 nach Verlängerung. Gislason war damals Co-Trainer, heute steht er allein an der Linie. „Ich habe diese Jungs lieben gelernt, aber Liebe reicht nicht gegen Kaddah’s Wurfhammer“, sagt er und lacht nicht.

Nach Bremen geht’s am Sonntag (15.30 Uhr), dann steht bereits die Kader-Feile wieder bereit. 18 Spieler reisen Anfang Mai ins Olympia-Trainingslager nach Leogang – Platz ist Mangelware. Gislason: „Wir müssen bis Juni wissen, wer trägt die Last von 60 Minuten Handball-Boxen.“ Die Pharaonen sind der erste Gradmesser, nicht der letzte. Und der Bundestrainer? Der schaut auf die Uhr, nicht auf die Tabelle. „Silber war gestern. Wer heute träumt, bekommt morgen die Kugel zwischen die Augen.“