Dzeko trifft auf seine früheren wächter: italiens abwehr kennt jeden schritt des bosnier

Edin Dzeko läuft am Samstag in Zenica nicht nur gegen Italien auf – er trifft auf drei ehemalige Mitspieler, die ihn besser kennen als jeder Scout. Mancini, Bastoni und Calafiori haben mit dem Stürmer trainiert, gelacht, gestritten. Jetzt sollen sie ihn stoppen.

Ein kapitel, das keiner zuklappen kann

Die Zahlen sind verrückt: 73 Tore in 147 Länderspielen, 1,96 m, 88 kg, 37 Jahre. Doch die wahre Story steckt in den Details. Dzeko kennt Italiens Innenverteidigung von innen. Er weiß, dass Mancini beim Zweikampf gern die Hüfte vorschiebt, dass Bastoni die Linie früher verlässt, als es aussieht, und dass Calafiori als Linksverteidiger seine Diagonalen hasst. Umgekehrt wissen die drei, dass Dzeko 30 Sekunden lang tatlos herumläuft, um dann mit dem ersten Ballkontakt zu töten.

Die Stimmung im Bosnien-Lager kocht. Dzeko erzielte gegen Wales das 1:1, schoss seine Mannschaft in die Play-off-Hoffnung. In Zenica wird ein Kessel erwartet, 15.000, die pfeifen, was das Zeug hält. Für Italien geht es ums Prestige, für Dzeko um die letzte EM-Chance. Beide Seiten haben die letzten fünf Tage mit Videoanalysen zugebracht – und mit Telefonaten. Calafiori und Dzeko tauschten noch vor drei Tagen Sprachnachrichten, jetzt blockieren sie sich gegenseitig auf Instagram.

Roma-inter: ein drehbuch aus tränen und trophäen

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Der Bosnier war 2015 in der Hauptstadt angekommen, verehrt wie ein Messias. 119 Spiele später ging er mit leeren Händen: kein Scudetto, nur Europa-League-Halbfinalist. Dafür aber jene Szene im Januar 2021, als er mit Fonseco brach, die Kapitänsbinde ablegte und erst nach Monaten wieder in Trigoria auftauchte. Mancini war damals schon Führungsspieler, hielt die Kabine zusammen. Heute wird er Dzeko an der Mittellinie empfangen – und genau dort, wo sich beide früher um die Einstellung des Spielsystems stritten, wird sich zeigen, wer die besseren Nerven hat.

Die Inter-Zeit folgte, zwei Pokalsiege, zwei Supercups. Bastoni und Dimarco lernen, wie er sich in den Strafraum schleicht, wie er die Arme ausfährt, um den Gegner zu verlieren. Dimarco sagte dieser Tage: „Er bleibt bis zum Ende im Kopf.“ Gemeint war das Kompliment – gemeint ist auch die Warnung.

Jetzt steht das Rückspiel an, nur dass diesmal kein Clubtrikot zählt, sondern die Nationalflagge. Trainer Spalletti wird mit der Dreierkette antreten, vermutlich mit Mancini in der Mitte, links Calafiori, der als Außenverteidiger beginnt und im Ballbesitz ins Zentrum rutscht. Das Duell wird sich in der Zone zwischen Strafraum und Sechzehner entscheiden – genau dort, wo Dzeko seine Kopfballmonsterstatistik aufbaut: 25 von 73 Länderspieltreffern per Kopf.

Die Quote spricht für Italien: kein Gegentor in den letzten fünf Partien. Doch die Statistik kennt Dzeko nicht. Er schert sich nicht um Formkurven, er schert sich nur um den Moment, wenn der Ball auf seinen linken Fuß fällt. Dann, sagt Mancini, „wird aus einem harmlosen Standardplötzlich ein K.o.“. Und genau diese Sekunde wollen die drei früheren Teamkameraden verhindern. Sonst fliegt Italien aus dem sicheren Hafen der Gruppe – und Dzeko schreibt das nächste Kapitel seiner Rache. Die Uhr tickt. Für alle.