Dzeko rettet schalke – muslic zündet den glaubenskampf gegen hannover

Edin Dzeko spielt. Punkt. Nach Tagen der Rückenangst sagt Miron Muslic das mit der Klarheit eines Mannes, der weiß, dass Sonntag 13 Uhr alles oder nichts bedeutet. Der Bosnier trainierte voll, Loris Karius auch – und plötzlich riecht die Arena nach Revanche statt nach Krisensitzung.

Die woche drehte sich nur um einen wirbel

Seit Montag fragte sich die Kurve, ob der 38-jährige Goalgetter überhaupt noch einmal in Blau-Weiß sprintet. Dzeko, der mit sieben Treffern die Herbstmeisterschaft mittrug, blieb zunächst in der Reha. Muslic hingegen ließ keine Dramatik aufkommen: „Wir behandeln ihn wie jeden anderen. Es geht ums Team, nicht um Einzelkämpfer.“ Die Botschaft: Stars sind willkommen, Sklaven nicht.

Die Medien buhlten trotzdem um jeden Fitnessschnipsel. Muslic konterte mit Zahlen: „Wir standen auch ohne ihn als Herbstmeister da.“ Kalt, aber wahr. Nun ist der Angreifer zurück, und die Statistik lügt nicht: Mit Dzeko in der Startelf holte Schalke 2,3 Punkte pro Spiel, ohne ihn 1,8. Die Differenz kann am Sonntag den Unterschied zwischen Aufstiegsplatz und Play-off bedeuten.

Hannover kommt als ballbesitzmonster

Hannover kommt als ballbesitzmonster

Die Niedersachsen sind seit 17 Auswärtsspielen ungeschlagen, erzielen in der Rückrunde 2,4 Tore pro Partie. Muslic spricht von „dem spielstärksten Kaliber der Liga“. Sein Plan: frühes Pressing, zweite Bälge gewinnen, Temposprints auf die Außenbahnen. Erinnert an das Hinspiel, das Schalke mit 3:0 dominierte – damals binnen 23 Minuten durch Moussa Sylla Doppelschlag entschieden.

Loris Karius wird diese Phrase nicht hören wollen, aber er ist der Schlüssel. Drei Wochen Rücken, nun 100 Prozent fit – und sofort wieder Feuerwehrmann. Hannover schießt 60 Prozent seiner Tore nach Ecke oder Hereingabe, Karius‘ Reflexe im Sechzehner sind ligaweit Spitze. Wenn er zwei von drei Halbchancen wegfaustet, bleibt die eigene Defensive länger kompakt. Kleine Aktion, große Wirkung.

Syllas sprinterqualitäten und die 56. minute

Syllas sprinterqualitäten und die 56. minute

Ein Detail aus dem Hinspiel: Nach der Pause zogen die Knappen das Tempo erneut an, Hannover brach in der 56. Minute ein. Genau in diesem Zeitfenster plant Muslic heute den zweiten Push. Dzeko soll als Target-Player Räume öffnen, dann Sylla oder Zalazar durch die Gasse schicken. Die Idee: Hannover zwingen, sich aufzublasen, um danem die Lücken zu treffen.

Die Fanlogen sprechen bereits vom „Endspiel im Februar“. Keine Übertreibung. Gewinnt Schalke, springt die Mannschaft auf Rang zwei, verliert sie, rutscht sie bis auf Platz fünf. Die Liga ist so eng wie seit Jahren. Muslic will den Fokus auf den nächsten Gegner, nicht auf die Tabelle: „Wir spielen gegen den Ball, nicht gegen die Konkurrenz.“

Am Freitagabend verließ der Trainer die Pressekonferenz mit einem fast schon verschwörerischen Lächeln. Die Frage nach möglichen Rückschlägen bei Dzeko wehrte er ab: „Er ist fit, er will, er wird.“ Dreimal „er“ – und kein einziges „wenn“. In dieser Antwort steckt Selbstvertrauen, vielleicht auch ein Hauch Risiko. Aber der 43-Jährige weiß: In der 2. Bundesliga gibt es kein Morgen, nur das nächste Spiel. Sonntag, 13 Uhr, Aufstellung steht. Dzeko spielt. Punkt.