Fünf hundertstel: fux verpasst podest, schweiz kassiert vierte ledermedaille
Klaus Schäfer, Narvik – Der Riesenslalom der Junioren-WM in Narvik wurde zur Achterbahn der Gefühle. Giuliano Fux und Aurelio Wyrsch starteten als Außenseiter, drehten auf einer zerfressenen Piste auf und herzte das Podest – um fünf lächerliche Hundertstel entglitten die Edelmetalle den Schweizern wieder einmal.
Die Ausgangslage war brutal. Nach Lauf eins stand Fux auf Rang 21, Wyrsch sogar 22. Die Medaillenträume schienen schon vor dem zweiten Lauf begraben. Dann kam der Hang: Fux legte 0,35 Sekunden auf die Konkurrenz drauf, Wyrsch sogar 0,76. Zwischenzeitlich lagen die beiden auf den Plätzen eins und drei – Schweizer Doppelsieg in greifbarer Nähe.
Die marke fällt – und mit ihr die hoffnung
Doch die Piste in Narvik ist ein Zahnrad. Je später die Startnummer, desto größer der Vorteil. Die Norweger Rasmus Bakkevig und Jarand Husby Haugen rutschten vorbei, tauschten unter sich die Ränge und sicherten sich Gold und Silber. Spanien schickte Aleix Aubert Serracanta auf Bronze-Kurs – 0,30 Sekunden hinter dem Sieger, aber 0,05 Sekunden vor Fux.
0,05 – eine Fingerbreit auf 1:49 Minuten Renndistanz. Die Zuschauer am Hang atmen kurz ein, dann bricht Schweigen aus. Fux stemmt die Hände in die Hüften, Wyrsch schüttelt den Kopf. Rang vier und sechs – wieder die sogenannte Ledermedaille, das Trostpflaster für Vierte. Es ist bereits das vierte Mal bei dieser WM, dass die Schweiz die Medaille nur streift, aber nicht berührt.
Trainerstab und Teamkollegen klopfen ab, doch die Enttäuschung sitzt tiefer. Denn die Leistung stimmt, die Punkte fehlen. Für Fux war es der erste richtige WM-Knaller, und er landet in der Statistik statt auf dem Podest. Wyrsch kann sich über den sechsten Platz nicht beschweren, weiß aber: Mit einer Startnummer unter 20 wäre mehr drin gewesen.

Die rechnung geht nicht auf – trotz aufholjagd
Die Zahlen sind hart: 21. und 22. nach Lauf eins bedeuten zu viel Rückstand, selbst wenn man den zweiten Lauf gewinnt. Die Außenbahnen frieren ein, die Innenbahnen werden matschig. Wer zuletzt startet, surft auf der frischen Spur. Die Schweizer litten unter dem Zufallslos – und unter der Uhr.
Loic Meillard, Referenzläufer der Schweiz, schickte via Instagram eine Sprachnachricht: „Ihr habt gezeigt, was möglich ist. Kopf hoch, nächstes Mal drehen wir den Spieß um.“ Die Botschaft ist klar: Das Team ist jung, die Piste bleibt. Die nächste Chance kommt, aber die nächste 0,05 auch.
Die Medaillen-Tabelle der Junioren-WM zeigt: Norwegen führt mit Doppelsieg, Spanien kassiert Bronze, die Schweiz sammelt Punkte für die Moral. In Narvik zählen nicht nur Sekunden, sondern auch Centimeter – und die entscheiden über Jubel oder Joggingrunde. Fux und Wyrsch haben bewiesen, dass sie mit den Besten mithalten können. Nur mit dem Podest haben sie sich noch nicht angefreundet.
