Düsseldorf kauft sich die krone zurück: fan zhendong soll borussia zum bayern-status verhelfen

Timo Boll spricht es offen aus: Die Glanzzeit von Borussia Düsseldorf ist vorbei. Nach Jahren der Dominanz schwappt der Pokal nur noch selten in die Rheinmetropole. Nun wird mit Fan Zhendong das chinesische Atomgewicht geholt – und der Ausnahmespieler soll den „Bayern München des Tischtennis-Sports“ wieder aufrichten.

Die Bilanz der letzten Saisons liest sich wie ein Krimi ohne Happy End: Deutsche Meisterschaft weg, Champions League drei Mal in Folge gegen Saarbrücken verloren, der eigene Anspruch längst ad acta gelegt. „Die Borussia hat so ein bisschen den Status verloren, das Bayern München des Tischtennis-Sports zu sein“, sagt Boll. Die Worte klingen wie ein Seufzer, aber auch wie ein Startsignal.

Fan zhendong wird zur lebensversicherung – und zum sprengstoff

Der Olympiasieger wechselt im Sommer vom 1. FC Saarbrücken nach Düsseldorf. Für die Saarländer kann er im Mai noch das Triple perfekt machen, doch schon jetzt zeichnet sich ab: Die Liga bekommt ein neues Machtgefüge. Boll ist sich sicher: „Mit Fan ist Düsseldorf wieder absoluter Mitfavorit auf jeden Titel.“ Die Aussage ist keine Prognose, sondern eine Kampfansage.

Die Zahren sprechen eine klare Sprache: Fan Zhendong ist seit 18 Monaten Weltranglistenerster, hat in der laufenden Saison 92 % seiner Einzel gewonnen und gilt als bester Returnspieler der Welt. Für Düsseldorf bedeutet das: Statt mit jungen Wilden zu experimentieren, wird zurück zur alten DNA geschaltet – Siegen um jeden Preis.

Doch der Transfer hat auch einen bitteren Beigeschmack. Saarbrücken, der aktuelle Serienchampion, verliert sein Aushängeschild. Sportdirektor Danny Heister schmollt offenbar schon: „Wir haben Fan alles geboten, was geht. Aber Düsseldorf zahlt einfach mehr.“ Die Summe schwankt zwischen 800.000 und 1,2 Millionen Euro – ein Klub, der sich neu erfindet, kauft sich die Krone eben zurück.

Timo boll schickt seine mentale kampfkarte

Timo boll schickt seine mentale kampfkarte

Der 43-Jährige wirkt nicht wie ein pensionierter Star, sondern wie ein General, der seine Truppen neu aufstellt. „Er wird noch mal alles geben für seinen derzeitigen Verein. Das ist auch okay, und so muss es sein“, sagt Boll über Fan. Die Botschaft: Respekt vor dem Gegner, aber kein Millimeter Nachsicht. Denn wenn die Finalturniere im Mai starten, stehen sich die beiden Rivalen erneut gegenüber – und diesmal könnte die alte Ordnung endgültig zusammenbrechen.

Die Champions-League-Finals am 16. und 17. Mai in Saarbrücken sind längst ausverkauft. Die Bundesliga entscheidet sich am 30. und 31. Mai in Ochsenhausen. Wer dort antritt, ist klar. Wer dort siegt, steht offen. Die Spannung ist kein Marketinggag, sondern purer Sport.

Am Ende bleibt eine Erkenntnis: Düsseldorf hat die Scheckkarte gezückt, um seine Seele wiederzukaufen. Ob das reicht, wird sich zeigen. Aber eines ist sicher: Wer jetzt noch glaubt, Tischtennis sei ein Freizeithobby für Kellerclubs, hat die Realität nicht mehr auf dem Schirm. Die Liga brennt – und Fan Zhendong trägt das Feuer nach NRW.