Stuttgart gegen porto: sieg oder flug – undav schwört team auf endspiel ein
Der VfB Stuttgart steht vor seiner größten Bewährungsprobe dieser Saison. Das 1:2 aus dem Hinspiel muss ausgebügelt werden, Porto wartet mit dem Rückenwind der eigenen Fans. Deniz Undav spricht nicht mehr vom Pokalfinale 2023, er spricht vom „ersten Endspiel“ seit diesem Tag. Die Worte wirken wie ein Schwur.
Undav warnt vor selbstzufriedenheit
„Die Mannschaft ist heiß. Es zählt der Sieg, es zählt das Weiterkommen“, sagt der Stürmer und klingt dabei nicht wie ein Marketing-Sprech, sondern wie jemand, der die Lage kennt. Stuttgart hat in der Liga gerade wieder zugelegt, doch das zählt Donnerstag um 21 Uhr nichts. „Für uns ist es ein Endspiel“, wiederholt er und schaut dabei nicht in die Kameras, sondern auf den Trainingsplatz. Dort läuft gerade Silas seine Sprintreihen ab, als gäbe es kein Morgen.
Trainer Sebastian Hoeneß redet nicht lange herum. „Wir müssen sauber, smart und emotional sein“, sagt er und klingt dabei wie ein Schachspieler, der schon drei Züge vorausdenkt. Die Analyse des Hinspiels ist intern längst durch: Zu viele Ballverluste im Mittelfeld, zu wenig Druck auf Diogo Costa, den portugiesischen Schlussmann. Die Lösung: früher stören, schneller umschalten, den Gegner in dessen Hälfte festnageln.
Die Stimmung im Lager ist angekratzt, aber nicht verzweifelt. „Es geht um ein Tor“, sagt Hoeneß und wischt mit der Hand durch die Luft, als wolle er die Last des 1:2 einfach wegbrushingen. Die Statistik gibt ihm recht: In 67 Prozent der Fälle schafft ein deutscher Klub den Ausgleich, wenn er nur mit einem Tor in Rückstand liegt. Die Frage ist nur: Schafft es Stuttgart, zu den 67 Prozent zu gehören?

Porto hat die rechnung schon durchgereicht
Die Portugiesen reisten nicht nach Baden-Württemberg, um zu verwahren. Sergio Conceição will das Tempo hochhalten, will Stuttgart in dessen eigenem Stadion auslöschen. Die Dragões haben in der Primeira Liga seit sieben Spielen nicht verloren, dazu kommt der Selbstvertrauensschub durch den Sieg im Hinspiel. Wer denkt, dass Stuttgart nur ein Tor braucht, unterschätzt die Power von Galeno und Evanilson, die im Konter immer dann zuschlagen, wenn der Gegner denkt, er hätte das Spiel im Griff.
Für den VfB ist dieses Spiel mehr als nur eine Runde im Europapokal. Es ist die Chance, das eigene Selbstbild zu korrigieren. Nach dem Pokalfinale 2023 gegen Leipzig folgte ein Jahr der Ernüchterung, jetzt soll die Kurve wieder nach oben zeigen. Die Fans haben bereits vor dem Stadion Pyro gezündet, die Spielerbus-Route ist mit roten Fahnen gesäumt. Die Botschaft ist klar: Wer heute nicht brennt, hat in der Europa League nichts verloren.
Um 21 Uhr pfeift François Letexier aus Frankreich an. Dann steigt die Temperatur auf 90 Minuten kochende Realität. Stuttgart muss ein Tor erzwingen, Porto will das 1:2 vergolden. Wer am Ende jubelt, wird nicht nur das Viertelfinale erreichen – er wird ein Stück Vereinsgeschichte schreiben. Die Spieler wissen es, die Fans spüren es, Undav hat es ausgesprochen: „Es zählt das Weiterkommen.“ Alles andere zählt Donnerstagabend nicht.
