Durant wirft jordan ab: nacht der rekorde und der letzten sekunde-helden

Kevin Durant schreibt Geschichte, während die Uhr noch tickt. Mit 32.295 Punkten rutscht der 37-Jährige an Michael Jordan vorbei – und landet im exklusiven Kreis der fünf treffsichersten NBA-Spieler aller Zeiten. Die Nacht im Toyota Center liefert aber mehr als eine Statistik: Sie liefert Drama, Ehrung und einen Teenager, der mit vier Jahren anfing, seine Idole zu studieren.

Der dreier, der alles startet

3:39 Minuten vor Schluss, Score 114:109 für Houston. Durant nimmt den Ball, zieht von der Mittellinie, trifft – Triple, Arena explodiert. Die Heat kommen trotzdem zurück, 121:122. Letzter Angriff, Durant zieht wieder, Korb verweigert. Doch Amen Thompson, 21 Jahre jung, 17 Jahre jünger als KD, tippt den eigenen Fehlversuch rein. Party gerettet, Rekord gerettet, Saison gerettet.

Thompson, erst seit diesem Sommer im Kader, erklärt später, er habe Durant-Videos geschaut, „als ich noch in die Grundschule ging“. Jetzt ist er Mitspieler, Retter, Fan. „Er ist die Legende, ich der Glücksgriff“, sagt er und lacht, als hätte er selbst einen Bonuspunkt im Basketballspiel der großen Brüder ergattert.

Jordan bleibt außen vor – und drin im kopf

Jordan bleibt außen vor – und drin im kopf

Die Rangfolge der ewigen Scorer lautet jetzt: LeBron James (43.241), Kareem Abdul-Jabbar (38.387), Karl Malone (36.928), Kobe Bryant (33.643), Kevin Durant. Jordan folgt mit 32.292 auf Platz sechs – und damit erstmals außerhalb der Top 5. Durant selbst spielt die Sache runter: „Vier Namen stehen noch vor mir, vier weitere Ziele.“

Im Mixed Zone wird er gefragt, ob er ein Lieblings-MJ-Moment habe. Durant antwortet mit einer Gegenfrage: „Hast du einen Lieblingssong von Drake? Alle sind gut.“ Dann wird es ernst: „Jordan verkörpert alles, wofür ich Basketball spiele: Kälte, Show, Sieg.“

Udoka, drake und die arbeitsmoral

Udoka, drake und die arbeitsmoral

Coach Ime Udoka schickt seinen Star mit einem Satz aufs Parkett: „Geh und arbeite, wie du es immer tust.“ Nach dem Spiel sagt er, dass „Superlative zu Durants Alltag“ gehören, „wir sie trotzdem feiern, weil wir sonst keine Zeit mehr hätten“. Die Rockets selbst rutschen mit dem 123:122-Sieg auf Platz vier im Westen – ein Nebeneffekt, der die Playoff-Träume in Houston wieder hochkochen lässt.

Die Videowand zeigt einen Rückblick: Durant als Rookie 2007, Durant als MVP 2014, Durant als Finals-MVP 2017 und 2018. Die Fans skandieren „M-V-P“, obwohl die Trophäe in diesem Jahr woanders landen wird. Die Geste zählt, der Moment zählt, die Zukunft wartet.

Der montag ist trainer

Der montag ist trainer

Um 0:37 Uhr Ortszeit verlässt Durant die Halle. Er trägt noch das gleiche weiß-rotes Warm-Up, in dem er aufgelaufen ist. Auf die Frage, ob er die Nacht durchfeiere, antwortet er: „Ich feiere, wenn ich aufwache. Dann geht’s zum Training.“ Die Karriereuhr tickt weiter, der Jagdtrieb bleibt. Die nächsten 1.348 Punkte bis Kobe Bryant sind eingeplant – und danach werden die 3.633 bis LeBron James gezählt. Für Durant ist die Nummer fünf nur eine Durchgangsstation, nicht das Ziel. Die NBA läuft weiter, und Durant läuft mit.