Duplantis fliegt auf 6,31 m – schwedische halle sprengt den nächsten rekord

Uppsala, 13. Februar, 21:47 Uhr: Der Stab knickt ein, die Latte wackelt – und bleibt liegen. In dieser Sekunde schreit ganz Schweden. Armand Duplantis hat wieder die Schwerkraft betrogen, diesmal auf 6,31 m. Ein Zentimeter mehr als vor fünf Monaten in Tokio, der fünfzehnte Weltrekord seiner Karriere. Die Halle tobt, der 26-Jährige fällt seiner Verlobten um den Hals, und niemand fragt mehr, ob er jemals aufhören wird.

Ein zentimeter, der die konkurrenz auf distanz hält

Die Zahl klingt bescheiden, wirkt aber wie ein Schlag ins Gesicht der Rivalen. Emmanouil Karalis, der Grieche, der Anfang Februar in Athen mit 6,17 m die Hallenbestmarke von Sergej Bubka endgültig beerdigt hatte, scheitert schon bei 6,00 m. Die restliche Welt guckt wieder nur zu. Duplantis’ letzte Pflichtniederlage datiert auf Juli 2023, Monaco, Platz vier – damals noch mit 6,05 m. Seitdem hat er 24 Wettkämpfe gewonnen, 38 Mal über sechs Meter gesprungen und jeden Gegner mindestens 20 Zentimeter hinter sich gelassen.

Die Frage ist nicht mehr, ob er die 6,40 m packt, sondern wann. Er selbst sagt: „Irgendwann fliegt die Latte dort, aber ich lasse mir Zeit.“ Die Statistik gibt ihm recht: 103 Sprünge über sechs Meter, kein Athlet kam je auf 30. Die nächste Gelegenheit, die Marke zu verschieben, bietet sich schon in sieben Tagen in Torun. Hallen-WM, glattes Oval, 24 Stunden Vorbereitung – für ihn ein Vorstellungsgespräch mit dem Weltrekord.

Uppsala wird zur privaten rekordfabrik

Uppsala wird zur privaten rekordfabrik

Warum ausgerechnet hier? Weil er hier seine ersten Sprünge als Kind machte, auf der alten Tartanbahn neben dem Tennisplatz seiner Eltern. Weil der Vater US-amerikanischer Polevault-Coach ist und die Mutter schwedische Leichtathletin war. Weil 4.000 Zuschauer in der IFU Arena sitzen und jeden seiner Schritte mitsingen. „Ich springe für Schweden, aber eigentlich springe ich für die kleine Armand im Kopf, der nie aufhören will“, sagt er. Die Arena explodiert, als wäre die EM schon gewonnen.

Die Organisatoren des Mondo Classic haben das Meeting nach ihm benannt – ein Novum in der Leichtathletik. Die Tickets waren in 48 Stunden ausverkauft, die schwedischen Fernsehzuschauerzahlen knackten zur Prime-Time die Marke von zwei Millionen. Ein Nationalheiliger in Sportschuhen, und er spielt die Rolle mit Lässigkeit: nach dem Sprung joggt er barfuß über die Matte, wirft seine Stäbe ins Publikum, unterschreibt Flaggen, als wäre es ein Konzert.

Die 6,40 m sind kein traum, sondern eine terminfrage

Die 6,40 m sind kein traum, sondern eine terminfrage

In der Mixed Zone spricht er leise, fast heiser: „Ich spüre, dass da noch was geht.“ Die Physiotherapeuten nennen es „Reserve in der Beschleunigungsbahn“, der Coach nennt es „Vertikalfahrt“. Fakt ist: Mit 21,3 km/h Anlauf erreicht er eine Absprunggeschwindigkeit, die sonst nur noch Karalis und der Franzose Renaud Lavillenie je erreicht haben – nur dass Duplantis sieben Zentimeter größer ist und die Stabbiegung 1,5 cm weiter zulässt. Die Latte bei 6,40 m liegt nur 14 cm über seiner momentanen Schulterhöhe. Für Normalsterbliche ein Bücherregal, für ihn ein Arbeitstag.

Die Hallen-WM in Torun zählt 28 Starter, aber die Medaille ist schon lackiert. Die Buchmacher zahlen auf Gold für Duplantis 1,03 – ein Witz, der sich trotzdem millionenfach klatscht. Sollte er in Polen wieder die Decke sprengen, wäre es der vierte Weltrekord innerhalb von 18 Monaten. Die Leichtathletik sucht ein neynarisches Gesicht nach Usain Bolt – sie hat ihn längst, nur trägt es jetzt einen Stab.

Und danach? Diamond League in Eugene, WM in Tokyo, Olympische Spiele in Paris. Drei Bühnen, drei Latten, drei Mal die Chance, die 6,40 m zu überzeichnen. Er selbst lacht: „Solange der Körper mitspielt, bin ich Spielverderber.“ Die Latte wird wieder wackeln, die Zeit läuft, und Schweden atmet tief durch – bis zum nächsten Montag, wenn die Welt wieder stillsteht für drei Sekunden Flugzeit.